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Wenn gute Leute schlechte Texte schreiben

Einer, der nor­ma­ler­wei­se alle Lat­ten am Zaun zu haben scheint, dem kri­ti­sches Den­ken erfah­rungs­ge­mäss bekannt ist — wie kann so jeman­dem ein so rich­tig schlech­ter Text ent­fah­ren?

Wie es pas­sie­ren konn­te, weiss ich auch nicht. Aber es ist pas­siert. Peter Schnei­der, Psy­cho­ana­ly­ti­ker, Tagi-Rat­ge­ber und öffent­lich-recht­li­cher Sati­ri­ker hat auf eine Leser­fra­ge zum The­ma “Brau­chen wir Reli­gio­nen?” so gro­ben Unsinn geant­wor­tet, dass sich (nebst mei­ner selbst) zumin­dest in mei­ner Fil­ter­bla­se so eini­ge gefragt haben, ob das sein Ernst sei. So fand ein Bekann­ter in einem Tweet: “Der Mann ist Sati­ri­ker” — wohl um zu impli­zie­ren, dass die Ant­wort so ernst nicht gemeint sein kön­ne. Ein ande­rer stell­te den Geis­tes­zu­stand des Autors in Fra­ge, was sehr unhöf­lich und belei­di­gend daher­kam. Jene Mit­frei­den­ke­rIn­nen, auf deren Mei­nung ich etwas gebe, haben ähn­lich reagiert wie ich: Was soll das? Wie kann Peter Schnei­der so ver­sa­gen? Wie­so macht er die glei­chen Feh­ler und Fehl­schlüs­se wie die gan­zen Stamm­tisch­phi­lo­so­phen? Was soll die­ser krampf­haf­te Ver­such des Reli­gi­ons-Apo­lo­ge­tis­mus?

Der Text des Anstos­ses befin­det sich hier:
http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/brauchen-wir-religionen/story/21110636

Mir ging es ver­mut­lich wie eini­gen ande­ren Reli­gi­ons­frei­en. Ich habe mich sehr geär­gert und konn­te direkt die Fin­ger auf meh­re­re Stel­len legen, die guten Grund für das Ärger­nis lie­fern. Nur fehl­te mir da die Zeit für eine Replik, die über ein get­wit­ter­tes “WTF!” hin­aus­ging. Zum Glück hat das ein Kol­le­ge über­nom­men. Clau­de Fan­k­hau­ser von den Ber­ner Frei­den­kern und Mit­glied des Frei­den­ker-Zen­tral­vor­stan­des hat in die Tas­ten gehau­en — und zwar gut:
https://frei-denken.ch/news/2017–07-19/kommentar-koennen-sie-besser-herr-schneider

Unsinn, beson­ders jener, der von pro­mi­nen­ten Jour­nis und “Influ­en­cern” kommt, soll­te man nicht unge­kon­tert las­sen.

Unsere atheistischen Gefühle werden verletzt

Atheist

Athe­ist

Man könn­te anneh­men, der müh­sams­te Dis­kus­si­ons­part­ner eines Athe­is­ten sei sein klas­si­scher Gegen­part, näm­lich der oder die Reli­giö­se. Mit sol­chen umzu­ge­hen ist aber für Men­schen, die nicht an einen Schöp­fer glau­ben, eher ein­fach, da die Posi­tio­nen klar sind: Wer glaubt, will unbe­dingt glau­ben, dar­um ist es auch nicht sinn­voll, ihm oder ihr das aus­re­den zu wol­len. Du könn­test an eine Wand reden. Du kannst 10’000 wis­sen­schaft­li­che Fak­ten nen­nen. Du kannst ver­geb­lich dar­auf war­ten, dass der Reli­giö­se sei­nen Stand­punkt schlüs­sig und rea­li­täts­nah unter­mau­ert: Auch wenn er fak­tisch ver­liert, wirst Du ihm sei­nen Gott nicht abspens­tig machen kön­nen. Jeden­falls nicht, wenn er oder sie selbst nicht bereits Zwei­fel an den gan­zen Geschich­ten hegt. Das weiss ich, und das wis­sen auch die meis­ten ande­ren Athe­is­ten, Agnos­ti­ker und Frei­den­ker-Kol­le­gIn­nen.

Der ein­fa­che Grund: Wir wol­len nie­man­dem sei­ne Reli­gi­on weg­neh­men.

Das unter­stellt man uns Athe­is­ten immer wie­der, obwohl die Gläu­bi­gen genau das zur Dok­trin erho­ben haben: Ange­sichts der Tat­sa­che, dass es welt­weit vie­le tau­send Reli­gio­nen mit zehn­tau­sen­den von Göt­tern gab oder gibt, ist jeder Mensch ein Ungläu­bi­ger. Zum Bei­spiel der Christ, Jude oder Mus­lim glaubt nur an einen Gott mehr als der eigent­li­che Athe­ist. Er glaubt nicht an Thor, an Zeus oder an Vish­nu.

Es gibt aber eine Grup­pe von Nicht­gläu­bi­gen, die anstren­gen­der sind als jeder Reli­gi­ons­fun­di. Sei es an Ver­an­stal­tun­gen, sei es auf Face­book; als Mit­glied des Zür­cher Frei­den­ker-Vor­stan­des begeg­ne ich ihnen immer wie­der: den Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten. Selbst glau­ben sie an kein höhe­res Wesen, wer­den aber nicht müde, die Reli­gio­nen und die Taten und Aus­sa­gen der Reli­giö­sen zu ver­tei­di­gen und zu ent­schul­di­gen. Die Dis­kus­sio­nen mit den eigent­lich nicht­gläu­bi­gen Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten lau­fen immer wie­der ähn­lich ab. Ein Bei­spiel:

Man pos­tet selbst ein reli­gi­ons­be­zo­ge­nes Zitat eines bekann­ten Phi­lo­so­phen oder Wis­sen­schaft­lers, etwa die­ses von Chris­to­pher Hit­chens:

«Reli­gi­on ends and phi­lo­so­phy begins,
just as alche­my ends and che­mi­stry begins
and astro­lo­gy ends, and astro­no­my begins»
.

Dann tritt der Reli­gi­ons­a­po­lo­get auf den Plan: «Lei­der hat Hit­chens Unrecht. Man kann che­mi­sche Gesetz­mäs­sig­kei­ten bewei­sen oder wider­le­gen, aber mit dem Gott-Zeug ist das schwie­ri­ger».

Ich mache den klas­si­schen Tee­kan­nen-Kon­ter: «Die Beweis­last liegt bei jenen, die behaup­ten, dass es die­ses Gott-Wesen gibt. Das mit dem Wider­le­gen ist hin­ge­gen so eine Sache: https://de.wikipedia.org/wiki/Russells_Teekanne».

Und der Apo­lo­get: «Das ist der Irr­tum. Der Gläu­bi­ge braucht kei­nen Got­tes­be­weis, es ist Hit­chens der ihn braucht. Es ist ergo rei­ne Zeit­ver­schwen­dung sich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen wann end­lich die Reli­giö­sen ihren Feh­ler ein­se­hen».

Dass es oft genug Zeit­ver­schwen­dung ist und der Gläu­bi­ge ohne Bewei­se aus­kommt, mag sogar stim­men. Aber dar­um ging es nicht, dar­um füge ich noch hin­zu: «Wenn er von der Gesell­schaft Din­ge for­dert (z.B. Steu­ern für sei­ne Kir­chen, Reli­gi­ons­un­ter­richt, spe­zi­el­le ihn schüt­zen­de Geset­ze, Fei­er­tags­ru­he usw.), dann soll­te er die­se For­de­run­gen doch mit etwas mehr unter­füt­tern als mit ‘Glau­ben’.»

Dann lan­det der Apo­lo­get erst­mals beim klas­si­schen Stroh­mann und fin­det: «Wahr­schein­lich genau­so wie Poli­ti­ker nur mit Fak­ten arbei­ten!»

Stroh­mann-Argu­men­te zu zer­pflü­cken ist zeit- und ner­ven­rau­bend und oft genau so sinn­los, wie einem Inu­it einen Kühl­schrank ver­kau­fen zu wol­len. Dar­um ist das etwa der Zeit­punkt, an dem man die Dis­kus­si­on mit­tels einer etwas zyni­schen Bemer­kung in Rich­tung Ende lei­ten möch­te, wie bei­spiels­wei­se: «Ja, gibt ähn­lich ver­strahl­te Poli­ti­ker. ;-)»

Und schon schlägt der Apo­lo­get zu, züch­tet eine Armee von Stroh­män­nern und lan­ciert gleich mal den Vor­wurf der Arro­ganz, gepaart mit einer «Godwin’s Law»-Erfüllung als Pfeil­spit­ze: «Die Ansicht dass man selbst rich­tig liegt soll­te einen nicht dazu ver­an­las­sen ande­re in die Ecke der Idio­ten zu schie­ben. Hit­chens und der­glei­chen haben das immer mal wie­der getan. Euge­nik kam auch mal im Man­tel der Wis­sen­schaft­lich­keit daher, und wir alle wis­sen wie noch leben­de Freun­de von Hit­chens dar­über den­ken.»

Das ist der WTF-Moment («What the fuck!»), der Zeit­punkt, an dem man kopf­schüt­telnd über der Tas­ta­tur hängt, weil der Unsinn sich da gera­de vor einem auf­türmt. Soll­te man da eben­so mit Stroh zurück­schla­gen? Ich wäre in sol­chen Fäl­len ver­sucht zu ent­geg­nen: «Ange­nom­men, die Reli­gi­on XY erhält poli­ti­sche Mehr­heit und for­dert, dass jeder — auch jeder Ungläu­bi­ge — sei­nem Kind wich­ti­ge, emp­find­li­che Tei­le des Penis oder der Kli­to­ris absä­belt. Machst Du das?». Aber ich gebe aus Zeit­man­gel auf.

Wir sind inzwi­schen bes­ser in der Lage, zu unter­schei­den, was Wis­sen­schaft ist und was sich nur den Anschein von Wis­sen­schaft gibt. Wis­sen­schaft ist die Metho­de, nicht die Mei­nung.

Die Schöp­fungs­ge­schich­te der Reli­giö­sen ist nichts ande­res als eine The­se. Eine The­se ist nur ein Gedan­ke, eine Idee, eine Behaup­tung. In der wis­sen­schaft­li­chen For­schung wer­den aber aus The­sen (Ide­en) nur im guten Fal­le Theo­ri­en. Eine Theo­rie lässt sich mit Expe­ri­men­ten, Berech­nun­gen und Bewei­sen bestä­ti­gen. Ande­re Wis­sen­schaft­ler sind immer auf­ge­for­dert, jede Theo­rie nach bes­ten Kräf­ten zu schwä­chen, wenn es denn Schwach­punk­te gibt. Das ist Wis­sen­schaft. Die Anzahl Bewei­se, die für die Evo­lu­ti­ons­theo­rie spre­chen, sind erdrü­ckend. Die Anzahl Bewei­se für eine Art gött­li­che Schöp­fung sind immer noch bei: genau Null.

Das Argu­ment betreffs «Euge­nik» ist unge­fähr gleich­zu­set­zen mit dem Unsinn, Hit­ler sei Athe­ist gewe­sen. Ers­tens war er das nicht, zwei­tens wäre es nicht rele­vant, wenn er einer gewe­sen wäre. Kein Athe­ist behaup­tet ernst­haft, jeder ande­re Athe­ist sei allei­ne durch sei­ne Reli­gi­ons­fer­ne auto­ma­tisch ein «guter Mensch». Und das wis­sen­schaft­li­che Män­tel­chen zie­hen sich auch mas­sen­haft ande­re Sub­jek­te an. Erwie­se­ner Unsinn wie Homöo­pa­thie kommt in einem sol­chen daher. Sogar die Chem­trails-Ver­schwö­rer und sons­ti­ge Aluhut­trä­ger tun so, als stün­den sie auf einem ernst zu neh­men­den wis­sen­schaft­li­chen Boden. Hier­für zie­hen sie aber kei­ne ech­ten wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en bei, son­dern begnü­gen sich damit, mit irgend­wie kom­pli­zier­ten Begrif­fen um sich zu wer­fen.

Wäre die Dis­kus­si­on wei­ter gegan­gen, hät­te mir der selbst nicht-reli­giö­se Reli­gi­ons­a­po­lo­get am Ende noch vor­ge­wor­fen, ich ver­letz­te reli­giö­se Gefüh­le.

Wisst Ihr, was? Ich habe eine gute Vor­stel­lung davon, wie sich das anfühlt. Das Gefühl muss Deckungs­gleich mit jenem sein, das ich ange­sichts reli­giö­sen oder eso­te­ri­schen Unsinns emp­fin­de.

Religiöse Gefühle

Hat schon jemals einer die­ser Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten ver­sucht, sich in einen Athe­is­ten hin­ein­zu­ver­set­zen? Dann ver­su­che ich das ein­mal mit recht deut­li­chen Wor­ten, viel­leicht etwas über­spitzt, zu erklä­ren. Vie­le von uns Athe­is­ten haben ent­we­der von Anfang an oder mit der Zeit eines erkannt: Die Behaup­tung der Exis­tenz eines Gott­we­sens — oder gleich meh­re­rer davon — ist die gröss­te, infams­te und fol­gen­schwers­te Lüge der gesam­ten Mensch­heits­ge­schich­te.

Da lie­gen sie, die Wor­te: infa­me Lüge, fol­gen­schwer.

«Lüge»: Der Apo­lo­get wür­de ein­wen­den: Wäre «Irr­tum» nicht etwas höf­li­cher? Klar, aber es wäre ein zyni­scher Euphe­mis­mus. Als die Men­schen noch rät­sel­ten, woher die Gewit­ter und Blit­ze kom­men, war­um sich manch­mal die Son­ne ver­dun­kelt oder was pas­siert, wenn man über den Rand der Erd­schei­be fällt, durf­te man getrost von einem Irr­tum spre­chen, wenn sie den Gezei­ten, dem Wet­ter und Krank­hei­ten einen gött­li­chen Ursprung andich­te­ten. In den nach­fol­gen­den Jahr­hun­der­ten haben Wis­sen­schaft­ler nach und nach unzäh­li­ge Rät­sel gelöst und Phä­no­me­ne ent­mys­ti­fi­ziert. Zu mei­ner und mei­ner Mitat­he­is­ten völ­li­gen Nicht­über­ra­schung stets ohne Indiz eines Gott­we­sens. Ich kann his­to­risch nicht fest­ma­chen, wann genau man aus wis­sen­schaft­li­chen Grün­den die­sen Irr­tum hät­te zur Lüge erklä­ren müs­sen. Aber es geschah sicher nicht im 21. Jahr­hun­dert — und wohl auch nicht erst im 19. oder 20. Man könn­te das 18. Jahr­hun­dert, die Blü­te der Auf­klä­rung, als die Pha­se betrach­ten, in wel­cher ratio­na­le Gemü­ter sich aus Ver­nunfts­grün­den von der Idee eines Gott­we­sens ver­ab­schie­de­ten. Nach allem, was die Wis­sen­schaft her­aus­ge­fun­den hat, ist Gott heu­te eine Lüge; und nach so lan­ger Zeit, in der wir uns die­ser Fra­ge stel­len, nicht mehr bloss ein Irr­tum. Und es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zur Wis­sen­schaft — aus­ser noch mehr Wis­sen­schaft. Nur sie ist die Metho­de, etwas nach­zu­wei­sen. Ist das eine nach­ge­wie­sen, wird mut­mass­lich etwas ande­res ent­kräf­tet.

«Fol­gen­schwer»: Seit Tau­sen­den von Jah­ren haben Mil­li­ar­den von Men­schen den anfäng­li­chen Irr­tum und die spä­te­re Lüge geglaubt, unkri­tisch wei­ter­erzählt und im Namen ihres ihnen (auf­grund von Geburt zufäl­lig erwor­be­nen) Gott­we­sens und sei­ner Ver­tre­ter gemor­det oder sinn­los gelit­ten. Es wur­den rea­le Men­schen im Namen des Irrea­len sys­te­ma­tisch unter­drückt, mit dem zyni­schen Ver­weis aufs Jen­seits, in dem es ihnen dann bes­ser gehe. Es wer­den noch immer Kin­der gequält (Buben und Mäd­chen beschnit­ten), Tie­re bru­tal geschäch­tet oder geop­fert, Anders­den­ken­de und -füh­len­de gna­den­los aus­ge­grenzt (z.B. Homo­se­xu­el­le). Mil­lio­nen Men­schen wur­den auch ver­folgt, ver­trie­ben oder bru­tal gequält und ermor­det — nicht nur weil sie selbst einer bestimm­ten Reli­gi­on ange­hör­ten, oder ihr nicht ange­hör­ten, son­dern schlicht, weil sie von jeman­dem abstamm­ten, der sich zu einer bestimm­ten Reli­gi­on zähl­te.

Es gibt nichts Ver­gleich­ba­res, das unter der Mensch­heit so viel Elend ver­ur­sach­te — und nach heu­ti­gem Wis­sen in ver­gleich­ba­rem Aus­mass erstun­ken und erlo­gen ist. Dass eine so hart­nä­ckig ver­brei­te­te und (teils wört­lich) bis aufs Blut ver­tei­dig­te Lüge auch infam ist, erschliesst sich hier von selbst. Das sind Din­ge, die einen Athe­is­ten und Huma­nis­ten wütend und trau­rig machen.

So vie­les von die­sem Leid wäre ver­hin­dert wor­den, hät­te es viel frü­her viel mehr Men­schen gege­ben, die sich einen Dreck um Reli­gi­on scher­ten.

Der ulti­ma­ti­ve What-the-Fuck-Effekt

All dies führt in einem Athe­is­ten immer wie­der zu einem Gefühl des gröss­ten Face­palms aller Zei­ten, zum ulti­ma­ti­ven What-the-fuck. So unge­fähr fühlt sich die unvor­stell­ba­re Grös­se die­ses Unfugs an, der sich einem Athe­is­ten offen­bart, wenn ihn Jeho­vas Zeu­gen anquat­schen, wenn Frei­kirch­ler mit ihren Pro­spek­ten wedeln, Sala­fis­ten gross­zü­gig ihre der­be Schrift ver­tei­len oder Sci­en­to­lo­gen ihre Sek­te bewer­ben.

Die Apo­lo­ge­ten, die uns Athe­is­ten immer Arro­ganz unter­stel­len, könn­ten fal­scher nicht lie­gen.

Ange­sichts des unfass­ba­ren Aus­mas­ses an Absur­di­tät, das einem Athe­is­ten immer wie­der ent­ge­gen­knallt, soll­ten die Apo­lo­ge­ten auch ein­mal an die Gefüh­le der Gott­lo­sen den­ken.

Arro­ganz käme aus einem Gefühl der Über­le­gen­heit. Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht dürf­te die­se sogar gege­ben sein. Aber ange­sichts der wider­sin­ni­gen The­sen sei­tens der Reli­gio­nen und deren unglaub­lich dich­tem poli­ti­schem Filz füh­len sich vie­le von uns manch­mal bei­na­he macht­los.

Den­noch darf es uns auch der Apo­lo­get nicht ver­übeln, wenn sich ein paar Krü­mel die­ses gigan­ti­schen Absur­di­täts­emp­fin­dens auch gele­gent­lich in unse­re Dis­kus­sio­nen ver­ir­ren.

Kurz: Denn durch die — wie ich dar­ge­legt habe — gröss­te Lüge der Mensch­heits­ge­schich­te wer­den bei uns eben­falls mas­sen­haft Gefüh­le ver­letzt. Viel­leicht nur eines, die­ses aber immer wie­der: das Ver­trau­en in die mensch­li­che Ver­nunft.

Es ist wirk­lich genau so, als ob ein Vis-à-vis stand­haft behaup­ten wür­de, die Erde sei eine Schei­be.

Wir reagie­ren indes auf eine der­ar­ti­ge Belei­di­gung der mensch­li­chen Ver­nunft nicht mit dem Ver­bren­nen von Sym­bo­len oder Ermor­den von Mit­men­schen, son­dern — da sind wir doch rela­tiv cool unter­wegs — mit meist fun­dier­ten Argu­men­ten und gele­gent­li­chen Scher­zen. Man ver­zei­he uns die­se doch bit­te — schon allei­ne des­halb, weil wir das Aus­mass der Absur­di­tät ohne die­se klei­nen psy­cho­hy­gie­ni­schen Spit­zen nicht ertra­gen wür­den.

Gedanken zum kommenden Menschenrechtstag

Mob300x250Entwurf01-Seite001Am 10. Dezember ist der Menschenrechtstag. Dann jährt sich die Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte seitens der Vereinten Nationen.

 

 

 

Jene haben die­se am 10. Dezem­ber 1948 in Paris geneh­migt. Von allen nicht mate­ri­el­len Gütern der Welt sind die Men­schen­rech­te das mit gros­sem Abstand wich­tigs­te. Die Men­schen­rech­te sind der Boden, der eine Demo­kra­tie trägt. Ohne Demo­kra­tie sind kei­ne Men­schen­rech­te wirk­sam. Und ohne aktiv geleb­te Men­schen­rech­te kann auch kei­ne Demo­kra­tie exis­tie­ren.

Die Men­schen­rech­te zu erar­bei­ten und gegen meist adli­ge oder reli­giö­se Macht­ha­ber zu erstrei­ten hat über­all in der Welt nicht nur Mühe, son­dern auch viel Blut gekos­tet. Unzäh­li­ge muti­ge Men­schen — unab­hän­gig von Alter, Geschlecht, Haut­far­be, Reli­gi­on, Geburts­ort oder Ver­mö­gen — haben über hun­der­te von Jah­ren hin­weg dafür ihr Leben geben, dass die klei­nen und gros­sen Gemein­schaf­ten der Welt einen gemein­sa­men Nen­ner fin­den mögen: eine Samm­lung von unab­ding­ba­ren Rech­ten und Grund­sät­zen, die dem Wesen «Mensch» über­haupt erst eine lebens­wür­di­ge Basis bie­ten. Men­schen­rech­te sind ein Erfolgs­mo­dell. Sind sie in einem Land wirk­sam, geht es jenen Bewoh­ne­rIn­nen bes­ser.

Als Athe­is­tin habe ich kein hei­li­ges Buch, für das ich in den Krieg zie­hen wür­de, für das ich töten oder mei­ne Tötung in Kauf neh­men wür­de. Kein ein­zel­ner Pro­phet oder Guru, kei­ne Reli­gi­on, kei­ne poli­ti­sche Par­tei, nicht ein­mal eine Kul­tur­strö­mung ver­mag mich in die­sem Sin­ne so unab­ding­bar für sich ein­zu­neh­men. Aber als Huma­nis­tin emp­fin­de ich Angrif­fe auf die Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Angriff gegen die Mensch­heit und Mensch­lich­keit an sich. Habe ich schon erwähnt, dass Men­schen­rech­te und Demo­kra­tie eine untrenn­ba­re Ein­heit bil­den? Das eine gibt es nicht ohne das ande­re.

Wer die Men­schen­rech­te angreift, greift die Gemein­schaft aller Men­schen an. Und damit auch mich. Man darf von mir aus über die klas­si­schen Expo­nen­ten der Athe­is­ten-Sze­ne her­zie­hen, Richard Daw­kins schlecht­re­den, man darf sich auch über Micha­el Schmidt-Salo­mon auf­re­gen, man darf egal wel­chen inter­es­san­ten Men­schen belei­di­gen oder sei­ne Wer­ke schmä­lern, man darf sogar kom­plett ver­blö­de­te poli­ti­sche Initia­ti­ven lan­cie­ren, die mich ohne Ende flu­chen und fremd­schä­men las­sen. Der Pein­lich­keits- und Stimm­volk-Hass­fak­tor bei so etwas däm­li­chem wie der Mas­sen­ein­wan­de­rungs-, Ver­wah­rungs-, Mina­rett- oder Eco­pop-Initia­ti­ve war nicht zu unter­schät­zen. Aber nichts von alle­dem hat mich jemals dazu ver­an­lasst, dar­über nach­zu­den­ken, wofür ich ster­ben oder gar töten wür­de.

Bis jetzt. Men­schen­rech­te als Fun­da­ment von Demo­kra­tie sind par­tei­un­ab­hän­gig. Soll­te es dar­um gehen, die Men­schen­rech­te zu ver­tei­di­gen, müss­te ich wohl Micha­el Schmidt-Salo­mon bei sei­nen Zehn Ange­bo­ten des evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus recht geben. Für die Wah­rung die­ser durch unzäh­li­ge ande­re, teils namen­lo­se Men­schen erkämpf­ten Errun­gen­schaf­ten wür­de ich wohl mei­nen neu­zeit­li­chen Wunsch, weder zu ster­ben noch zu töten vor­über­ge­hend auf­ge­ben.

Inso­fern hat der (der­zeit noch) amtie­ren­de Bun­des­rat Ueli Mau­rer mir (und eigent­lich allen in die­sem Land) den Krieg erklärt. Die Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die Wah­rung der Men­schen­rech­te, die wich­tigs­ten und nütz­lichs­ten ethi­schen Errun­gen­schaf­ten der Mensch­heit über­haupt — wenn die­se auf dem Spiel ste­hen, dann wer­de ich mir sogar als Stadt­zür­che­rin eine Mist­ga­bel zule­gen.

Zumin­dest die­ses Jahr lau­tet das The­ma der Ver­an­stal­tung der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen zum Men­schen­rechts­tag noch so: «Von Koba­ne bis Kai­ro — die Men­schen­rechts­la­ge im Nahen Osten». Die Infos dazu sind hier: http://menschenrechtstag.ch. Ich hof­fe instän­dig, dass ich als Vor­stands­mit­glied der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen nie­mals eine Ver­an­stal­tung zur «Lage der Men­schen­rech­te in der Schweiz» mit­or­ga­ni­sie­ren muss.

Bei uns werden die Kinder bluten. Aber freiwillig - und nur fürs Mikroskop. Campquest.ch

CampQuest.ch — die Kin­der wer­den blu­ten! 😉

Camp Quest, das wis­sen­schaft­lich-huma­nis­ti­sche Som­mer­la­ger ist für Kin­der und Jugend­li­che von 9 bis 15 Jah­ren aus­ge­legt. Die­ses Jahr fin­det es erst­mals auch in der Schweiz statt: vom 4. — 10. August 2013 in Mundaun bei Obersaxen/GR. Das Pro­gramm kann sich sehen las­sen und dürf­te auch in den gröss­ten Schul­muf­feln wenigs­tens ein biss­chen Inter­es­se für wis­sen­schaft­li­che The­men wecken. Bit­te bald anmel­den — die Plät­ze sind begrenzt!