Gedanken zum kommenden Menschenrechtstag

Mob300x250Entwurf01-Seite001Am 10. Dezem­ber ist der Men­schen­rechts­tag. Dann jährt sich die Ver­kün­dung der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rechte sei­tens der Ver­ein­ten Nationen.

 

 

 

Jene haben diese am 10. Dezem­ber 1948 in Paris geneh­migt. Von allen nicht mate­ri­el­len Gütern der Welt sind die Men­schen­rechte das mit gros­sem Abstand wich­tigste. Die Men­schen­rechte sind der Boden, der eine Demo­kra­tie trägt. Ohne Demo­kra­tie sind keine Men­schen­rechte wirk­sam. Und ohne aktiv gelebte Men­schen­rechte kann auch keine Demo­kra­tie existieren.

Die Men­schen­rechte zu erar­bei­ten und gegen meist adlige oder reli­giöse Macht­ha­ber zu erstrei­ten hat über­all in der Welt nicht nur Mühe, son­dern auch viel Blut gekos­tet. Unzäh­lige mutige Men­schen — unab­hän­gig von Alter, Geschlecht, Haut­farbe, Reli­gion, Geburts­ort oder Ver­mö­gen — haben über hun­derte von Jah­ren hin­weg dafür ihr Leben geben, dass die klei­nen und gros­sen Gemein­schaf­ten der Welt einen gemein­sa­men Nen­ner fin­den mögen: eine Samm­lung von unab­ding­ba­ren Rech­ten und Grund­sät­zen, die dem Wesen «Mensch» über­haupt erst eine lebens­wür­dige Basis bie­ten. Men­schen­rechte sind ein Erfolgs­mo­dell. Sind sie in einem Land wirk­sam, geht es jenen Bewoh­ne­rIn­nen besser.

Als Athe­is­tin habe ich kein hei­li­ges Buch, für das ich in den Krieg zie­hen würde, für das ich töten oder meine Tötung in Kauf neh­men würde. Kein ein­zel­ner Pro­phet oder Guru, keine Reli­gion, keine poli­ti­sche Par­tei, nicht ein­mal eine Kul­tur­strö­mung ver­mag mich in die­sem Sinne so unab­ding­bar für sich ein­zu­neh­men. Aber als Huma­nis­tin emp­finde ich Angriffe auf die Men­schen­rechts­kon­ven­tion als Angriff gegen die Mensch­heit und Mensch­lich­keit an sich. Habe ich schon erwähnt, dass Men­schen­rechte und Demo­kra­tie eine untrenn­bare Ein­heit bil­den? Das eine gibt es nicht ohne das andere.

Wer die Men­schen­rechte angreift, greift die Gemein­schaft aller Men­schen an. Und damit auch mich. Man darf von mir aus über die klas­si­schen Expo­nen­ten der Atheisten-Szene her­zie­hen, Richard Dawkins schlecht­re­den, man darf sich auch über Michael Schmidt-Salomon auf­re­gen, man darf egal wel­chen inter­es­san­ten Men­schen belei­di­gen oder seine Werke schmä­lern, man darf sogar kom­plett ver­blö­dete poli­ti­sche Initia­ti­ven lan­cie­ren, die mich ohne Ende flu­chen und fremd­schä­men las­sen. Der Pein­lich­keits– und Stimmvolk-Hassfaktor bei so etwas däm­li­chem wie der Masseneinwanderungs-, Verwahrungs-, Mina­rett– oder Ecopop-Initiative war nicht zu unter­schät­zen. Aber nichts von alle­dem hat mich jemals dazu ver­an­lasst, dar­über nach­zu­den­ken, wofür ich ster­ben oder gar töten würde.

Bis jetzt. Men­schen­rechte als Fun­da­ment von Demo­kra­tie sind par­tei­un­ab­hän­gig. Sollte es darum gehen, die Men­schen­rechte zu ver­tei­di­gen, müsste ich wohl Michael Schmidt-Salomon bei sei­nen Zehn Ange­bo­ten des evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus recht geben. Für die Wah­rung die­ser durch unzäh­lige andere, teils namen­lose Men­schen erkämpf­ten Errun­gen­schaf­ten würde ich wohl mei­nen neu­zeit­li­chen Wunsch, weder zu ster­ben noch zu töten vor­über­ge­hend aufgeben.

Inso­fern hat der (der­zeit noch) amtie­rende Bun­des­rat Ueli Mau­rer mir (und eigent­lich allen in die­sem Land) den Krieg erklärt. Die Men­schen­rechts­kon­ven­tion, die Wah­rung der Men­schen­rechte, die wich­tigs­ten und nütz­lichs­ten ethi­schen Errun­gen­schaf­ten der Mensch­heit über­haupt — wenn diese auf dem Spiel ste­hen, dann werde ich mir sogar als Stadt­zür­che­rin eine Mist­ga­bel zulegen.

Zumin­dest die­ses Jahr lau­tet das Thema der Ver­an­stal­tung der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen zum Men­schen­rechts­tag noch so: «Von Kobane bis Kairo — die Men­schen­rechts­lage im Nahen Osten». Die Infos dazu sind hier: http://menschenrechtstag.ch. Ich hoffe instän­dig, dass ich als Vor­stands­mit­glied der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen nie­mals eine Ver­an­stal­tung zur «Lage der Men­schen­rechte in der Schweiz» mit­or­ga­ni­sie­ren muss.

Ach, genau, die «Freidenker-Taliban»

Volksinitiative Trennung Staat und Kirche im Wallis

Säku­la­res Wal­lis Initiative

Die Wal­li­ser Frei­den­ke­rIn­nen haben eine mutige und erfreu­li­che kan­to­nale Volks­in­itia­tive zur Tren­nung von Staat und Kir­che im Wal­lis depo­niert. Ab dem 20. Juni 2014 kann gesam­melt wer­den. Hier fin­det man den Initia­tiv­text, die Pres­se­mit­tei­lung, die Argu­mente und den Unter­schrif­ten­bo­gen.

Unsere Wal­li­ser Freunde haben bestimmt damit gerech­net, dass sich etwa eine CVP (Roman­die: PDC) nicht beson­ders erfreut zeigt. Jene wolle diese säku­lare Initia­tive «mit Nach­druck bekämp­fen». Schüt­zen­hilfe — zumin­dest ver­ba­ler Natur — bekom­men die Par­teichris­ten auch von wei­te­ren rechts­bür­ger­li­chen Krei­sen. Die UDC (die SVP der Roman­die) bezeich­net die Frei­den­ke­rIn­nen näm­lich als «Tali­ban der Lai­zi­tät», die «dem Islam den Weg berei­ten» wolle. Erst schies­sen, dann fra­gen. Logik ist sekun­där. So unge­wöhn­lich ist diese Reak­tion nicht, wenn jemand am Sta­tus Quo alt­ein­ge­ses­se­ner und bequem ver­filz­ter Insti­tu­tio­nen rüttelt.

Nur weil etwas schon lange da ist, muss es nicht erhal­tens­wert sein. Die Welt dreht und ent­wi­ckelt sich wei­ter. Das Kon­zept eines allwissenden/allmächtigen Herr­schafts­we­sens ist über­holt. Nicht ein­mal der Gross­teil der Kirchen-Mitglieder hält sich an die Regeln der (hof­fent­lich frei­wil­lig und sorg­fäl­tig) selbst gewähl­ten eige­nen Reli­gion. Auch wenn viel­leicht die Reli­gion für einige ein wich­ti­ges Ele­ment bleibt, ist die Ver­flech­tung der­sel­ben in den Staat ein schon lange abschaf­fungs­wür­di­ges Relikt.

Will­kom­men in 2014. Ers­tens ist die Bevor­zu­gung der christ­li­chen Kir­chen als so genannte Staats­kir­chen nur aus einem his­to­ri­schen Zufall ent­stan­den. Es gibt gar nichts, das diese Bevor­zu­gung gegen­über ande­ren Glau­bens­ge­mein­schaf­ten heute noch rechtfertigt.

Glaube ist frei­wil­lig… Glau­bens­frei­heit ist ein ver­fas­sungs­mäs­si­ges Recht. Die Tren­nung von Staat und Kir­che ist in demo­kra­ti­schen Län­dern ein fai­res und erfolg­rei­ches Modell. Nur sie gewährt den Gläu­bi­gen aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten die glei­chen, fai­ren Rechte, den von ihnen frei­wil­lig gewähl­ten Glau­ben im sel­ben Rah­men aus­zu­üben, der auch Anhän­gern ande­rer Glau­bens­ge­mein­schaf­ten gege­ben ist. Das muss mög­lich sein, ohne inhalt­li­che oder unge­rechte finan­zi­elle Pri­vi­le­gien für alt­ein­ge­ses­sene «Platzhirsche».

… und Reli­gi­ons­frei­heit eben­falls. Nur die Ent­flech­tung von Staat und Kir­che gewährt auch der stark wach­sen­den Gruppe nicht-religiöser Men­schen die Frei­heit, ihr Leben ohne jede reli­giöse Beein­flus­sung füh­ren zu kön­nen. Und hier eben­falls: ohne die für AtheistInnen/AgnostikerInnen unlo­gi­schen Inhalte reli­giö­ser Grup­pie­run­gen mit­fi­nan­zie­ren zu müssen.

Demo­kra­tie braucht Ethik, nicht Moral. Ein fai­rer, freier, demo­kra­ti­scher Staat basiert auf gemein­sam erar­bei­te­ten ethi­schen, juris­ti­schen und wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen. Nur so kann ein Staat einen guten Boden für die freie Ent­fal­tung Ein­zel­ner legen. Eine Ungleich­be­hand­lung ver­schie­de­ner Reli­gio­nen oder von Nicht-Religiösen wirkt sich nega­tiv auf den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt aus.

Spe­zi­alar­gu­ment für die SVP: Die SVP befürch­tet offen­bar, das Zurück­bin­den eini­ger Kir­chen­pri­vi­le­gien führe eine Art «Vakuum» her­bei, das die Mus­lime sofort aus­fül­len wür­den. Das ist doch über­haupt nicht logisch, wenn man die ein­zel­nen Men­schen und die all­ge­meine Ent­wick­lung der letz­ten Jahr­zehnte anschaut (es gibt eine Natio­nal­fonds­stu­die dazu). Ganz im Gegen­teil! Diese Mass­nahme greift schon jetzt den bereits auf­kei­men­den Gelüs­ten eini­ger mus­li­mi­scher Kreise vor, die gerne eben­falls einen Teil der Kir­chen­steu­er­gel­der und sons­ti­gen Kir­chen­pri­vi­le­gien für sich hätten.

Eine Gleich­be­hand­lung aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im Sinne die­ser Initia­tive ist drin­gend fäl­lig. Anstatt aber nun wei­te­ren Glau­bens­grup­pie­run­gen mehr Rechte und Res­sour­cen ein­zu­räu­men, ist es nicht nur ein­fa­cher, son­dern sowieso durch die Zei­chen der Zeit ange­bracht und logisch, beste­hende wider­sin­nige Pri­vi­le­gien end­lich abzubauen.

Frank­reich hat das Lai­zi­täts­prin­zip schon län­ger gesetz­lich ver­an­kert. Die Kan­tone Genf und Neu­en­burg eben­falls. Kir­chen und Glau­bens­ge­mein­schaf­ten exis­tie­ren dort wei­ter, solange es Leute gibt, die sie brau­chen. Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten kön­nen sich als Ver­eine orga­ni­sie­ren und wer­den sich als sol­che gleich­be­rech­tigt an gel­ten­des Schwei­zer Recht hal­ten müs­sen. Genau wie es andere Ver­eine tun, die sogar ohne staat­li­che Unter­stüt­zung und Pri­vi­le­gien schon ein Weil­chen exis­tie­ren. Neben­bei: Die Frei­den­ke­rIn­nen gibt es in der heu­ti­gen Form quasi seit 1908.

 

Nein, ich war das nicht

Ein Spam­mer hat sich mal wie­der an mich erin­nert. Und hat dafür gesorgt, dass ich das merke. Er pflanzte näm­lich meine Mail­adresse ins «From» (oder «Envelope-from» oder «Reply-to») sei­ner idio­ti­schen Spam-Mails. Resul­tat: Einige Dut­zend Boun­ces und Abwe­sen­heits­mel­dun­gen. Ich hoffe, es flat­tern nicht auch noch Mails von erbos­ten Usern rein, die das Gefühl haben, der Mist stamme von mir.

Bounces zu Spam, den ich gar nicht selbst verschickt habe

Boun­ces zu Spam, den ich nicht ver­schickt habe

Jeder kann jede belie­bige Mail­adresse ins «From» set­zen. Hier­für braucht man nicht ein­mal den zuge­hö­ri­gen Account zu «hacken». Die Adresse zu ken­nen reicht völ­lig. Und genau das tun Spam­mer: Sie haben eine Liste mit vie­len tau­send Adres­sen und picken sich eine davon fürs «From» her­aus. Dies­mal meine — mor­gen viel­leicht Deine.

Mein Hos­ter war jetzt so freund­lich, für meine Domain einen SPF-Eintrag zu erstel­len. Das erschwert das Abkip­pen von Spam unter miss­bräuch­li­cher Ver­wen­dung mei­ner Absenderadresse.

Bei uns werden die Kinder bluten. Aber freiwillig - und nur fürs Mikroskop. Campquest.ch

CampQuest.ch — die Kin­der wer­den bluten! ;-)

Camp Quest, das wissenschaftlich-humanistische Som­mer­la­ger ist für Kin­der und Jugend­li­che von 9 bis 15 Jah­ren aus­ge­legt. Die­ses Jahr fin­det es erst­mals auch in der Schweiz statt: vom 4. — 10. August 2013 in Mundaun bei Obersaxen/GR. Das Pro­gramm kann sich sehen las­sen und dürfte auch in den gröss­ten Schul­muf­feln wenigs­tens ein biss­chen Inter­esse für wis­sen­schaft­li­che The­men wecken. Bitte bald anmel­den — die Plätze sind begrenzt!

Who’s evil now? — Die AdSense-Erpressung

Oder wie Google IT-Verlage zum Öff­nen von Pan­do­ras Büchse zwingt.

Auch wenn es uns man­che nicht glau­ben woll­ten, war ein Auf­recht­er­hal­ten der Tren­nung zwi­schen Redak­tion und Anzei­gen auch bei mei­nem Arbeit­ge­ber IDG Schweiz (Publi­ka­tio­nen PCtipp und Com­pu­ter­world) bis­lang ein eher­nes Gesetz. Es bedeu­tete: Die Anzei­gen­ab­tei­lung hatte bei redak­tio­nel­len Inhal­ten nicht drein­zu­re­den. Und das war gut so. Über das Druck­mit­tel der Onli­ne­wer­bung ist Google jetzt aber in der Lage, IT-Verlage wie den uns­ri­gen zum Öff­nen die­ser Büchse der Pan­dora zu zwingen.

Böse YouTube-Tools

Nun hat’s also uns erwischt: Google hat am Frei­tag­nach­mit­tag das Aus­lie­fern von AdSense-Werbung auf der PCtipp-Webseite gestoppt. Unser Ver­lag wurde auf­ge­for­dert, einige Anwen­dun­gen aus dem PCtipp-Downloadbereich zu ent­fer­nen. Wür­den wir dem nicht Folge leis­ten, werde unser AdSense-Konto dau­er­haft deak­ti­viert, siehe Screen­shot einer sol­chen Mail.

Mail von Google droht mit Deaktivierung von AdSense

So sieht die Mail aus, in der Google die PCtipp-Redaktion zwingt, bestimmte Down­loads zu entfernen.

Unter den rund 5000 Down­loads im PCtipp-Downloadbereich waren auch einige Tools, mit deren Hilfe ein Anwen­der YouTube-Videos lokal spei­chern könnte. Das da sind einige davon: aTube Cat­cher, YouTube Song­down­loa­der, YouTube Down­loa­der, Free YouTube to MP3-Converter, Free­mium Tube­Box, Fre­e­re­cor­der, Free Stu­dio, Clip­Grap und Asham­poo Clip Finder.

Was haben wir gemacht? Rich­tig: die Tools von der Web­seite genom­men. Ich fühle mich übri­gens an den Som­mer 2008 erin­nert. Damals ent­fern­ten wir wegen der Geset­zes­än­de­rung in Bezug auf die Umge­hung «tech­ni­scher Schutz­mass­nah­men für die Wahr­neh­mung von Rech­ten» schon ein­mal rund 70 Down­loads von unse­rer Web­seite (siehe PDF). So sehr wir damals auch redak­ti­ons­in­tern mit den Zäh­nen knirsch­ten — wir hat­ten nicht ein­mal theo­re­tisch eine Wahl. Vor fünf Jah­ren muss­ten die Tools zum Rip­pen von DVDs aus gesetz­li­chen Grün­den weg. Das ist noch tole­rier­bar. Nun zwingt uns also auch Google dazu, wei­tere redak­tio­nelle Inhalte zu entfernen.

Mir (und mei­nen Kol­le­gIn­nen im Ver­lag) ist schon klar, dass die theo­re­ti­sche Wahl wei­ter­hin bestünde. Schliess­lich ist nie­mand gezwun­gen, bei Google AdSense mit­zu­ma­chen. Das macht diese «Friss oder stirb»-Situation aber nicht bes­ser: Ohne Google ist im Online­an­zei­gen­markt kaum aus­zu­kom­men. Das Unter­neh­men beherrscht in die­sem Busi­ness quasi 100% des Mark­tes, in wei­ten Tei­len der Welt, sicher aber in der Schweiz und der EU. Google Ads gehö­ren aus ver­schie­de­nen Grün­den sowohl bei Por­ta­len als auch bei Kon­su­men­tIn­nen zu den «belieb­te­ren» Wer­be­for­men. Sie sind nicht so auf­dring­lich gestal­tet, dass sie die Websur­fe­rIn­nen wirk­lich stö­ren könn­ten. Weil die Ads (wegen AdSense) oft the­ma­tisch zu den sie umge­ben­den Inhal­ten pas­sen, lan­det dar­auf auch gerne mal der eine oder andere Klick. Dadurch pro­fi­tie­ren auch die bewor­be­nen Unter­neh­men davon. Die Ads las­sen sich ein­fach ver­wal­ten, optisch ans Umfeld anpas­sen und brin­gen ansehn­li­che Wer­be­ein­nah­men, auf die kaum ein Ver­lag ver­zich­ten kann. Auch IDG Schweiz nicht. In den Leser– und Ver­kaufs­zah­len ste­hen wir mit dem Print­pro­dukt PCtipp im Ver­gleich zu ande­ren noch gut da. Aber auch wir spü­ren die fal­len­den Umsätze im Print­be­reich. Die Ein­nah­men im Onlin­ebe­reich fan­gen dies nur zum Teil auf. Und wie wir alle wis­sen: Pay­walls funk­tio­nie­ren bei den Kon­su­men­tIn­nen nicht wirk­lich. Fak­tisch ist also der Ver­zicht auf Google Ads keine Alternative.

Übri­gens: Moment mal! Kommt das denn wirk­lich nie­man­dem bekannt vor? Ein mil­li­ar­den­schwe­res US-Unternehmen beackert auch in der EU einen Markt, in dem es quasi keine Kon­kur­renz gibt. Somit liegt ein De-Facto-Monopol vor. Ich will jetzt nicht «Micro­soft» sagen, aber Google wäre nicht das erste grosse IT-Unternehmen, das von der EU saf­tige Bus­sen und Auf­la­gen wegen des Miss­brauchs der markt­be­herr­schen­den Stel­lung kassiert.

«Bewusstsein = Leben» oder «Leben = Bewusstsein»?

An der Dele­gier­ten­ver­samm­lung vom 26.05.2013 der Schwei­zer Frei­den­ke­rIn­nen erfüll­ten die Teil­neh­me­rIn­nen nicht nur ihre Auf­gabe zur Wahl eines neuen Prä­si­di­ums (siehe hier), son­dern konn­ten auch ein Refe­rat des freien Phi­lo­so­phen Imre Hof­mann mit anschlies­sen­der Dis­kus­si­ons­runde ver­fol­gen. Das Thema drehte sich um die phi­lo­so­phi­sche Sicht aufs Human Brain Pro­ject — und um die Frage: «Steckt ein Geist in der Maschine?». Anlass dazu war die kürz­li­che Ver­gabe gros­ser EU-Geldbeträge an das Projekt.

Die Idee hin­ter dem Pro­jekt ist ambi­tiös: Das gesamte bis­her vor­han­dene Wis­sen übers mensch­li­che Gehirn sam­meln und zusam­men­füh­ren, mit der Absicht, die­ses so weit wie mög­lich in einer IT-basierten Simu­la­tion abzu­bil­den. Der Zweck könnte sein, bei man­chen Expe­ri­men­ten oder bei der Erfor­schung von Behand­lungs­mög­lich­kei­ten bei gewis­sen Erkran­kun­gen nicht auf mensch­li­che Ver­suchs­ka­nin­chen ange­wie­sen zu sein. Ein gros­ser Teil des Pro­jekts wird sich der Frage wid­men, wie bereits wenige neu­ro­nale Zel­len über­haupt inter­agie­ren. Aber die Idee, ein mensch­li­ches Gehirn — viel­leicht als gan­zes — simu­lie­ren zu wol­len, wirft ein paar ethi­sche Fra­gen auf.

Imre Hoff­mann legte gegen­über dem Publi­kum seine Zwei­fel dar, ob er aus phi­lo­so­phi­scher Sicht über­haupt etwas zum Thema bei­tra­gen könne. Die am HBP Betei­lig­ten ver­mei­den kon­se­quent Wör­ter wie «Psy­che» oder «Bewusst­sein». Jeder Ver­such, ein Gehirn in einem Com­pu­ter abzu­bil­den, kann nur eine grobe Skizze sein. Ver­gleich­bar mit einer Land­karte, die zwar zei­gen kann, wo sich wel­che Region befin­det, aber keine Aus­kunft dar­über gibt, wie es an die­ser oder jener Stelle wirk­lich aussieht/riecht/klingt, wie sich gar der Boden beim Drü­ber­lau­fen anfühlt oder wem man dort begeg­net. Jene Punkte, die den Phi­lo­so­phen wirk­lich inter­es­sie­ren, kom­men in den offi­zi­el­len Doku­men­ten des HBP nach Hof­manns Aus­sage kaum aufs Tapet. Sei es, weil die For­sche­rIn­nen diese Punkte viel­leicht schon bei der For­schungs­ar­beit gezielt aus­klam­mern, sei es, weil sie keine Wahr­schein­lich­keit sehen, dass ihr Pro­jekt so weit fort­schrei­ten könnte oder sei es, weil es sich aus mar­ke­ting­tech­ni­schen Grün­den bes­ser macht, keine Ängste zu wecken. Ich tippe eher auf die Punkte 2 und 1. Aber was, wenn doch? Laut Imre Hof­mann steckt kein Geist in der Maschine. Das, was eine Per­son aus­macht, kann auch durch modernste Ent­wick­lun­gen in der IT kei­nen Boden — bzw. pas­sende Hard­ware — für eine sol­che Annahme liefern.

Was ist das Bewusstsein?

Extra­po­liert oder ska­liert man die Idee, an einer Hand­voll Zel­len zu for­schen auf die For­schung an einer kom­plet­ten Simu­la­tion des Gehirns, stel­len sich für mich per­sön­lich die ethi­schen Fra­gen ein. Wie genau lässt sich ein Gehirn als Simu­la­tion abbil­den? Wem nützt diese Simu­la­tion? Und wo ste­hen die Gren­zen? Eine in zahl­rei­chen Science-Fiction-Romanen oder –Fil­men bekannte Abbil­dung eines gesam­ten Gehirns inklu­sive Bewusst­sein ist illu­so­risch (nur schon in den ver­schie­de­nen StarTrek-Serien gab es wohl min­des­tens drei sol­che Episoden).

Die HBP-ForscherInnen wol­len die­ses Sze­na­rio aus­klam­mern. Die Ansamm­lung ein­zel­ner Zel­len — sogar, wenn es viele wären — wäre noch weit davon ent­fernt, etwas zu bil­den, das eine Psy­che ent­wi­ckeln könnte. Aber ohne Ver­schwö­rungs­theo­rien wecken zu wol­len, würde es mich inter­es­sie­ren: Was geschieht, wenn die Simu­la­tion dem mensch­li­chen Gehirn nahe genug kommt, um trotz­dem eine Art von Bewusst­sein zu ent­wi­ckeln? Woran erkennt man Bewusst­sein? Reicht eine Reak­tion auf die Umwelt aus, um ein Bewusst­sein nach­zu­wei­sen? Hat ein Nes­sel­tier im Meer ein Bewusst­sein, weil es auf seine Umge­bung rea­giert? Oder sind das nur «dumme» Reak­tio­nen sei­nes Ner­ven­sys­tems? Imre Hof­mann beant­wor­tet die Frage nach dem Bewusst­sein damit, dass jedes Wesen oder Ding selbst für sich ent­schei­den muss, ob es ein Bewusst­sein hat. Das Bewusst­sein des Gegen­übers liegt somit nur in unse­rem Ermes­sens– und Erwar­tungs­spiel­raum. Das mag stim­men, aber es zeigt nicht, wie wir mit ande­ren Wesen/Dingen umge­hen, die mut­mass­lich eines haben. Hat alles, was lebt, eine Art von Bewusst­sein? Oder zäh­len wir etwas, das ein Bewusst­sein hat, auto­ma­tisch zu den Lebewesen?

Schal­tet den Andro­iden aus

Falls eine Simu­la­tion etwas wie ein Bewusst­sein ent­wi­ckeln könnte, dürfte man sie dann auch nach Gut­dün­ken abschal­ten? Hier stelle ich gerne den Bezug zu einer Star Trek TNG Folge her, in der es darum geht, ob der Andro­ide namens «Data» von einem über­eif­ri­gen Wis­sen­schaf­ter aus der Crew genom­men und zu For­schungs­zwe­cken zer­legt wer­den darf. Die Vehe­menz, mit der Data um sei­nen Ver­bleib in der Crew und gegen seine Zer­le­gung kämpft, ist in der Folge auch ein Grund für die Rich­te­rin, ihm ein Bewusst­sein und ein Selbst­be­stim­mungs­recht zu attestieren.

Aber zurück zur Gegen­wart und nahen Zukunft. Die aktu­el­len Ver­su­che beschrän­ken sich auf ein paar Ner­ven­zel­len. Die Simu­la­tion fin­det in vie­len Gross­rech­nern ver­teilt statt. Den Andro­iden «Data» wird es nicht so bald geben, schon weil die Rechen­ka­pa­zi­tät auf die­sem Raum nicht Platz hätte, zumal der Kör­per auch noch unzäh­lige Bewe­gungs­mo­to­ren ent­hal­ten müsste. Wenn Sony einen klei­nen zwei­bei­ni­gen Robo­ter ent­wi­ckelt, ist es schon eine Höchst­leis­tung, wenn die­ser nicht bei jeder Tür­schwelle auf die Nase fällt. Und dabei hat er noch nicht intel­li­gent auf seine Umwelt reagiert.

Ein durch Com­pu­ter simu­lier­tes Gehirn ent­spricht nicht dem Gehirn eines ech­ten Lebe­we­sens. Das kann es schon nicht, weil es auf gewisse Reize nicht adäquat rea­gie­ren kann. Es hat ja einer­seits den Zweck, mensch­li­ches Ver­hal­ten zu imi­tie­ren, ande­rer­seits soll es quasi ein Mensch sein.

Neh­men wir das sim­ple Bei­spiel: Ein Glas Was­ser kann für einen ech­ten Men­schen das Über­le­ben bedeu­ten. Würde man das Gehirn des Men­schen simu­lie­ren, müsste die Simu­la­tion nur vor­ge­ben, ein Glas Was­ser für über­le­bens­wich­tig zu hal­ten. In Wahr­heit ist Was­ser ent­we­der kom­plett irre­le­vant oder sogar schäd­lich für den Metall/Plastik-Kasten, in wel­chem das simu­lierte Gehirn steckt. Etwas, das ein Bewusst­sein hat, weiss auch um seine eigene Situa­tion. Und da haben wir es. Behaup­tet das simu­lierte Gehirn, es brau­che Was­ser, lügt es. Ein Mensch würde den Was­ser­be­darf aber nie­mals abstrei­ten. Die Simu­la­tion kann also behaup­ten, Was­ser zu brau­chen, was eine Lüge wäre (und sie als nicht mensch­lich taxie­ren würde) oder nicht zu brau­chen, womit die Simu­la­tion dann nicht mehr men­schen­ähn­lich wäre. Sobald eine Simu­la­tion des mensch­li­chen Gehirns ein Bewusst­sein ent­wi­ckelt, ist es keine Simua­tion mehr, son­dern etwas Neues.

Die Langweiligkeit des Schönen

Da ich nun meine Noti­zen zur Peti­tion gegen die SRF Astrologie-Propaganda inkl. Medi­en­spie­gel hier ein­ge­klebt habe, will ich mal ernst werden.

Für die Medien war die Peti­tion ein tol­les Auf­re­ger­thema, das von ihnen selbst mit­be­feu­ert wurde. Von den Initi­an­tIn­nen der Zür­cher Sek­tion der Freidenker-Vereinigung ist keine ein­zige Pres­se­mit­tei­lung ver­schickt wor­den. Das Aus­mass der Bericht­er­stat­tung (siehe erwähn­ten Medi­en­spie­gel) war beacht­lich. Die Medien wit­ter­ten Blut und Trä­nen: Die Peti­tion rich­tete sich gegen etwas, das für man­che Men­schen Bedeu­tung hat. Und quasi «gegen» einen Promi. 

Wenn sich der­selbe Absen­der kon­struk­tiv und posi­tiv betä­tigt, lässt das die Medien kalt. Ein paar Dut­zend recht gezielt ver­schickte Mit­tei­lun­gen an die Medien und noch mehr Kon­takt­auf­nah­men an wis­sen­schaft­li­che Kreise schaf­fen es nicht, das aktu­elle Pro­jekt des Ver­eins auch nur ansatz­weise bekannt zu machen: Die Pre­miere von Camp Quest Schweiz.

Camp Quest ist ein wissenschaftlich-humanistisches Som­mer­la­ger für Kin­der. Die ers­ten Camp Quests sind in den Neun­zi­gern in den USA ent­stan­den, als Alter­na­tive zu den reli­giös gefärb­ten Bible Camps. Das Kon­zept hat auch in Gross­bri­tan­nien Fuss gefasst und fei­ert die­ses Jahr Schwei­zer Pre­miere. Der Schwer­punkt die­ses kon­fes­si­ons­freien Som­mer­la­gers liegt auch defi­ni­tiv nicht auf «Reli­gi­ons­ba­shing». Es spielt keine Rolle, ob die teil­neh­men­den Kids oder ihre Eltern einer Reli­gion ange­hö­ren. Das hätte neben dem Ange­bot des Camps sowieso kei­nen Platz: Kin­der und Jugend­li­che auf unver­krampfte Weise an wis­sen­schaft­li­che The­men wie Bio­lo­gie, Phy­sik, Che­mie, Astro­no­mie und Phi­lo­so­phie her­an­zu­füh­ren und logi­sches, kri­ti­sches Den­ken zu fördern.

Wie das fas­zi­nie­rende Pro­gramm, das meine Kol­le­gIn­nen auf die Beine gestellt haben, im Detail aus­sieht, brau­che ich hier nicht noch ein­mal auf­zu­zäh­len, da das alles auf der Web­seite steht (und ich das auch in Medi­en­mit­tei­lun­gen mehr­mals zusam­men­ge­fasst habe). Camp Quest dreht sich um die Schön­heit und Viel­falt der Natur, die wun­der­bare Vor­her­seh­bar­keit der Phy­sik, um unsere Geschichte und um die Weite des Welt­alls. Und nicht zuletzt um unsere eigene, kleine Fehl­bar­keit, derer wir uns auch im Zusam­men­le­ben mit Mit­men­schen bewusst sein sollten.

Ich finde, man­che Medien — viel­leicht nicht die­sel­ben, die sich auf die SRF-Astro-Petition gestürzt haben — dürf­ten posi­ti­ven Ansät­zen und Ideen etwas mehr Raum bie­ten. Aber das Schöne und Kon­struk­tive ist halt nicht schick genug für die Presse.

SRF-Petitionsübergabe (Quelle: kyriacou.ch)

Medienspiegel zur Petition «SRF soll Scharlataneriepropaganda beenden»

Im Januar 2013 lan­cier­ten die Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen eine Peti­tion «SRF soll Schar­la­ta­ne­rie­pro­pa­ganda been­den». Siehe auch die­sen Blog­post. Die Medi­en­re­ak­tio­nen waren zahl­reich. Bis­her hatte ich die Links in einem Google+Post gesam­melt, weil meine eigene Web­seite eine Dau­er­bau­stelle war. Da ich mich nun ent­schie­den habe, Word­Press zu behal­ten, stelle ich die Link­samm­lung auch hier ein. Hier ist sie ein­fa­cher zu finden.

Medi­en­spie­gel: Keine Gebüh­ren­gel­der für Scharlatanerie

Die Peti­tion der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen und Skep­ti­ke­rIn­nen will errei­chen, dass auf den Kanä­len des gebüh­ren­fi­nan­zier­ten Schwei­zer Radios und Fern­se­hens (SRF) quack­sal­be­ri­sche Gefässe im Stile einer «Madame Étoile» gestri­chen wer­den. Anlass dazu gab bei­spiels­weise das Her­vor­he­ben des Astrologie-Contents auf der SRF-Webseite als «High­light». Die Sen­dung «Madame Étoile» dient ledig­lich als Wer­be­fens­ter für die Anbie­te­rin die­ses pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Unsinns. Das SRF hat selbst Mühe damit, die­sen Inhalt kor­rekt zu ver­or­ten. Wäh­rend der Pres­se­spre­cher es als «Unter­hal­tung» betrach­tet, ist Monica Kiss­ling («Madame Étoile») der Ansicht, es handle sich um «Erfahrungswissenschaft».

Die Peti­tion:
http://www.activism.com/de_CH/petition/srf-soll-scharlataneriepropaganda-beenden/41559
Die sich ein­fa­cher zu mer­kende Kurz­adresse dazu:
http://bit.ly/AstroStopp

Die offi­zi­elle Info auf der frei-denken.ch-Webseite:
http://www.frei-denken.ch/de/2013/01/keine-gebuhrengelder-fur-scharlatane/

Die Skep­ti­ker sind auch an Bord:
http://skeptiker.ch/index.php/skeptikerblog/38-petition-gegen-astrologie-im-oeffentlich-rechtlichen-rundfunk

Den Stein ins Rol­len brachte eine Twitter-Diskussion, mit Betei­li­gung von Pira­ten, Skep­ti­kern und Frei­den­kern. Siehe zum Bei­spiel:
https://twitter.com/SciF0r/status/286046249214410752 sowie
https://twitter.com/andreaskyriacou/status/286451568620998656

Schon im Vor­feld der Peti­ti­ons­lan­cie­rung, näm­lich im Novem­ber 2012, warf der Arti­kel «Radio Voll­mond» in der BaZ ein paar kri­ti­sche Fra­gen auf:
http://bazonline.ch/kultur/diverses/Radio-Vollmond/story/13163978

Nach Lan­cie­rung der Peti­tion haben sich einige Medien des The­mas ange­nom­men, obwohl weder die Frei­den­ker noch die Skep­ti­ker hierzu Medi­en­mit­tei­lun­gen ver­schickt haben:

20 Minu­ten hat am 3. Januar 2013 die Gunst der Stunde genutzt und zuerst dar­über berich­tet:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Keine-Gebuehrengelder-fuer-Scharlatane–14022540

Am 4. Januar 2013 erschien auf Ordnungspolitik.ch die­ser Bei­trag:
http://www.ordnungspolitik.ch/2013/01/04/astrologie-petition-gegen-die-sternenwetterfee-von-srf-3/

Eben­falls am 4. Januar 2013 ent­schied auch die BaZ, das Thema wei­ter zu ver­fol­gen:
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Information-an-die-man-glauben-muss/story/12793086

Das Por­tal der katho­li­schen inter­na­tio­na­len Pres­se­agen­tur Kipa-Apic berich­tete am 4. Januar 2013:
http://www.kipa-apic.ch/index.php?na=0,0,0,0,d&ki=238697

[edit 17.01.2013] Das Infamy–Blog warf am 4. Januar 2013 einen Blick zurück und zeigt “Wie alles begann”:
http://infam.antville.org/stories/2147938/

[edit 17.01.2013] Das kri­ti­kas­ter­blog erwähnte am 5. Januar 2013 die Peti­tion und stellte die Frage: “Gehö­ren ‘Madame Etoile’ und ‘Jeder Rap­pen zählt’ zum Ser­vice Public?“
http://kritikasterblog.wordpress.com/2013/01/05/gehoeren-madame-etoile-und-jeder-rappen-zahlt-zum-service-public/

[edit 25.01.2013] Das deut­sche Skep­ti­ker­por­tal Gwup.net berich­tete am 06.01.2013 ein ers­tes mal über die Peti­tion:
http://blog.gwup.net/2013/01/06/anti-astrologie-petition/

Die NZZ ent­deckte die Peti­tion am 7. Januar 2013:
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/vorwurf-der-scharlatanerie-1.17926220

Das den Frei­den­kern sonst skep­tisch gegen­über­ste­hende Por­tal http://jesus.ch berich­tete am 9. Januar 2013 und grenzte sich klar gegen Aber­glau­ben ab:
http://www.jesus.ch/magazin/gesellschaft/232009-freidenker_wehren_sich_gegen_aberglauben_auf_srf.html
[edit 14.01.2013, 00:23]
Sel­bi­ger fin­det sich auch auf Livenet.ch:
http://www.livenet.ch/magazin/gesellschaft/232009-freidenker_wehren_sich_gegen_aberglauben_auf_srf.html

Die BaZ blieb am 11. Januar 2013 am Thema dran:
http://bazonline.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335
Der Arti­kel erschien via News­netz auch beim Tages Anzei­ger:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335
[edit 16.01.2013] Und glei­chen­tags beim Bund:
http://www.derbund.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335

[edit 13.01.2013, 22:12]
Eso­te­rik– und Reli­gi­ons­kri­ti­ker Hugo Stamm ana­ly­siert den Sach­ver­halt für den Tages Anzei­ger:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Das-Kreuz-mit-den-Sternen/story/23847014

Persoenlich.com, das Por­tal der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wirt­schaft, streifte das Peti­ti­ons­thema eben­falls am 11. Januar 2013; lei­der ohne einen Link oder wenigs­tens die Urhe­ber der Peti­tion zu erwäh­nen:
http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=106036

Peter Rothen­büh­ler von der Sonn­tags­zei­tung wid­mete der Peti­tion bzw. der Prot­ago­nis­tin seine Kolumne «Liebe Monica Kiss­ling»:
http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/kolumne-peter-rothenbuehler/kolumne-peter-rothenbuehler-detailseite/?newsid=240331

Der Tages Anzei­ger trägt am 16.01.2013 die Hal­tung eini­ger Par­tei­spre­che­rIn­nen zusam­men: Die ehe­mals auf wis­sen­schaft­li­che Objek­ti­vi­tät pochende SP unter­stütze laut SP-Sprecher Andreas Käser­mann die Astro­lo­gin Monica Kiss­ling, wäh­rend SVP-Generalsekretär Mar­tin Bal­tis­ser und CVP-Sprecherin Mari­anne Bin­der vom SRF hierzu eine klare Defi­ni­tion des Ser­vice Public und eine klare Dekla­ra­tion des unwis­sen­schaft­li­chen Inhalts ver­lan­gen. Die FDP in Form der Par­tei­spre­che­rin Pia Gug­gen­bühl gibt sich gewohnt unent­schlos­sen und ver­langt nach kei­ner Ände­rung, obwohl sie die Sen­dung eigent­lich auch ablehnt:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Sicher-stoert-sie-nur-eine-verschwindend-kleine-Minderheit/story/20728625
Glei­cher Arti­kel auch via Ber­ner Zei­tung:
http://www.bernerzeitung.ch/leben/gesellschaft/Sicher-stoert-sie-nur-eine-verschwindend-kleine-Minderheit/story/20728625

Jetzt auch Medien in Deutsch­land. Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet am 16.01.2013 über die Peti­tion:
http://www.sueddeutsche.de/u5d388/1083577/Sterne-luegen-nicht.html

Und gleich noch ein­mal jen­seits des Rheins, näm­lich vom Deutsch­land­ra­dio, 16.01.2013:
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/2013011610/4/

Der Herr Glog­ger konnte im Blick am Abend vom 16.01.2013 offen­bar dem Thema auch nicht wider­ste­hen und “mailt”:
https://twitter.com/andreaskyriacou/status/291574628621627392/photo/1

[edit 24.01.2013] Am 16.01.2013 trug auch das Por­tal heilpflanzen-info.ch die bis dahin auf­ge­lau­fe­nen Reak­tio­nen zusam­men und brachte u.A. den Barnum-Effekt ins Spiel.
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/tag/schweizer-freidenker-vereinigung

Eine Zwi­schen­bi­lanz zur Peti­tion und zur dar­aus ent­stan­de­nen Debatte lie­fert Zür­cher Freidenker-Präsident Andreas Kyria­cou in sei­nem Blog­bei­trag vom 17.01.2013:
http://kyriacou.ch/2013/01/zunehmende-vorbehalte-gegen-astrologiewerbung-auf-srf/

Die Sonn­tags­zei­tung setzte sich mit Monica Kiss­ling für den Arti­kel vom 20.01.2013 an den Mit­tags­tisch. Die Astro­lo­gin habe das Unheil vor­her­ge­se­hen. Sie könne den Ein­fluss der Sterne auf unse­ren Cha­rak­ter erklä­ren, wenn auch nicht rest­los. Bewei­sen kann sie es halt doch nicht.
http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/artikel-detailseite/?newsid=241055

Die kath. inter­na­tio­nale Pres­se­agen­tur Kipa-Apic dop­pelt am 20.01.2013 nach:
http://kipa-apic.ch/index.php?pw=&na=0,0,0,0,d&ki=239219

Auch das kri­ti­kas­ter­blog zieht am 21.01.2013 eine Zwi­schen­bi­lanz:
http://kritikasterblog.wordpress.com/2013/01/21/zwischenbilanz-der-petition-gegen-madame-etoile-und-der-beanstandung-von-jeder-rappen-zaehlt/

Hugo Stamm zer­pflückt am 24.01.2013 im Newsnetz-Blog genüss­lich die pikierte Reak­tion Monica Kiss­lings auf die lau­ter wer­dende Kri­tik.
http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/blog/2013/01/24/das-kreuz-mit-den-sternen-von-monica-kissling/

Mit Bezug auf Hugo Stamms Bei­trag grif­fen die Skep­ti­ker von Gwup.net das Thema am 25.01.2013 noch ein­mal auf:
http://blog.gwup.net/2013/01/25/madame-etoile-und-die-lila-flieder-tone-der-astrologen/

Kipa-Apic ver­sucht am 31.01.2013 den sati­ri­schen Ansatz:
http://www.kipa-apic.ch/index.php?na=0%2C0%2C0%2C0%2Cd&ki=239249

Am Tag bevor wir die Peti­tion ein­ge­reicht haben, geht es schon wie­der los mit der Bericht­er­stat­tung. Den Anfang macht Tagi Online am 7.2.2013:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Das-Ende-des-KisslingParadoxons/story/26895232

Der Nebel­spal­ter hat eben­falls am 7.2.2013 mal seine Hofa­stro­lo­gIn­nen nach der Mei­nung der Sterne ange­sichts der Peti­ti­ons­über­gabe befragt:
http://www.nebelspalter.ch/Pluto+gegen+Madame+Etoile/574967/detail.htm

+Andreas Kyria­cou durfte am Vor­mit­tag vor der Peti­ti­ons­über­gabe für den Blick am Abend vom 8.2.2013 posie­ren:
http://epaper.blick.ch/flipbook/baa.html?doc=BAA080213ZH&issue=zeitung&region=ZH#11

Soll­ten noch wei­tere Erwähnungen/Links auf­tau­chen, baue ich sie hier gerne noch ein.

Werbung à la Scareware in Android-Apps

Für Android-User ist es nor­mal, für die meis­ten Apps nicht zu bezah­len — jeden­falls nicht mit barer Münze. Google Play gibt genug her. Bis­her gibts keine Anwen­dung, die ich für wich­tig genug gehal­ten hätte, um sie fürs Smart­phone in einer wer­be­freien Ver­sion zu kau­fen. Die wich­tigs­ten Produktiv-Apps gibt es sogar werbefrei.

Beispiel eines Scareware-Ads in einem Game aus Google Play

Also bezahlt man als Android-User mit dem Ertra­gen von Wer­bung (Ads) in den Apps; sogar dann, wenn sie blöd her­um­blin­ken und mit wirk­lich däm­li­chen Inhal­ten daher­kom­men. In Games erschei­nen bei Level-Ende auch Inter­sti­ti­als mit Wer­bung. Wir Android-User tragen’s mit Fas­sung und kli­cken sie weg.

Was aber mei­ner Mei­nung nach über­haupt nicht akzep­ta­bel ist, sind Ads, die im Scareware-Stil daher­kom­men. Im von mir sonst geschätz­ten Game «Dra­gon Gem» tauch­ten vor ein paar Tagen anstelle der bis­her gewohn­ten Ban­ner für irgend­wel­che Food-Lieferanten, Mode– oder Spiel­zeug­ar­ti­kel plötz­lich Ads im Scareware-Stil auf. Genau jener Mist, den wir auch von eini­gen Web­sei­ten ken­nen. Jene Bullshit-Werbung, die so gestal­tet ist, dass arg­lose Benut­ze­rIn­nen sie für echte Schäd­lings­war­nun­gen halten.

Was beim Ankli­cken sol­cher Ads auf einem (Windows-)PC pas­siert, wis­sen wir: Die Nut­zer lan­den auf dubio­sen Web­sei­ten, die angeb­li­che Viren­scans durch­füh­ren und die gefun­de­nen (nicht wirk­lich vor­han­de­nen) Com­pu­ter­vi­ren gegen Bares ent­fer­nen. Diese Masche nennt man Sca­re­ware (von engl. «to scare», ver­ängs­ti­gen). Die beson­ders dreis­ten Abzo­cker holen sich bei den leicht­gläu­bi­gen Anwen­de­rIn­nen per Popup die Erlaub­nis ein, bestimmte Scripts aus­zu­füh­ren — womit dann echte Mal­ware auf dem PC landet.

Wohin mich das oben abge­bil­dete Ban­ner im Scareware-Stil beim Drauf­tip­pen brin­gen würde, weiss ich nicht. Es ist ja nur ein Ban­ner, das so aus­sieht, als handle es sich um eine Schäd­lings­mel­dung. Es dürfte den User aber den­noch zum zwei­fel­haf­ten Ange­bot eines unse­riö­sen Unter­neh­mens füh­ren. Sol­che Wer­be­me­tho­den sind miss­bräuch­lich, weil irre­füh­rend, betrü­ge­risch und beleidigend. 

Meine Bitte an Google: Ändert Eure Policy in Bezug auf In-App-Werbung. Wer bei Google Play eine App rein­stellt, soll sich dazu ver­pflich­ten, von Scareware-artigen Ads Abstand zu neh­men. Und die User sol­len bitte eine ein­fa­che Mög­lich­keit haben, Scareware-Ads zu melden.

Kein seriö­ses Unter­neh­men hat sol­che Wer­bung nötig.

Was habt Ihr gegen Madame Étoile?

Als ers­ten Bei­trag möchte ich zur Sache «Frei­den­ke­rIn­nenn gegen Madame Étoile» etwas schrei­ben. Nicht, weil mir das im Moment beson­ders unter den Nägeln brennt, son­dern weil diese Noti­zen bei mir noch her­um­la­gen und ich es schade gefun­den hätte, sie ein­fach wegzuwerfen.

Wie mei­nem Feed auf Twit­ter, Face­book und Google+ im Januar/Februar 2013 unschwer zu ent­neh­men war, gehöre ich zum Unter­stüt­zungs­team einer Peti­tion, die von den Schwei­zer Frei­den­ke­rIn­nen, Skep­ti­ke­rIn­nen und der Giordano-Bruno-Stiftung Schweiz lan­ciert und getra­gen wurde: Keine Gebüh­ren­gel­der für Schar­la­ta­ne­rie­pro­pa­ganda. Die Peti­tion wollte den Miss­stand behe­ben, dass das Schwei­zer Radio und Fern­se­hen (SRF) noch immer Sen­dun­gen mit pseu­do­wis­sen­schaft­li­chem, quack­sal­be­ri­schem Inhalt aus­strahlt. Kri­ti­siert wird von uns als Bei­spiel die Sen­dung Monica Kiss­lings alias «Madame Étoile» auf Radio SRF3. Als beson­ders kri­tik­wür­dig emp­fan­den und emp­fin­den wir noch immer diese Punkte:

  • Die Dis­kre­panz in der Selbst­wahr­neh­mung der kri­ti­sier­ten Par­teien. Ein SRF-Sprecher tut die Sen­dung als harm­lose Unter­hal­tung ab, wäh­rend sich die Astro­lo­gin selbst hart­nä­ckig als «seriöse Erfah­rungs­wis­sen­schaft­le­rin» bezeich­net. Wenn sich schon die Zustän­di­gen im Sen­der nicht einig sind, unter wel­chem Eti­kett ein Gefäss ein­zu­ord­nen ist, wie soll denn das Publi­kum eine aus­rei­chend scharfe Defi­ni­tion dafür fin­den? Astro­lo­gi­sche Bera­tun­gen kön­nen sehr ins Auge gehen. Siehe Absatz «Gehts noch?». Es gibt Leute, die das sehr ernst neh­men und auf­grund sol­cher Rat­schläge fatale Ent­schei­dun­gen treffen.

  • Die Tat­sa­che, dass Frau Kiss­ling neben ihrem SRF-Job ein Unter­neh­men betreibt, mit dem Ziel, die quack­sal­be­ri­schen Inhalte gewinn­brin­gend zu ver­kau­fen. Das SRF bezahlt die Astro­lo­gin für diese Sen­dun­gen und finan­ziert ihr damit ein Wer­be­fens­ter. Nor­ma­ler­weise ist es doch umge­kehrt: Es sollte doch der Sen­der sein, der für Wer­be­fens­ter Geld ein­nimmt.
    Meine Mei­nung: Würde Frau Kiss­ling für das Wer­be­fens­ter bezah­len und würde dies als sol­ches dekla­riert, wäre das Pro­blem des Unsinn-Verbreitens zwar nicht aus der Welt. Aber das Gebüh­ren zah­lende Publi­kum würde mit sol­chem Mum­pitz nicht belas­tet und die poten­ti­el­len Astrologie-Gläubigen wären auf­grund des Werbefenster-Hinweises viel­leicht etwas vorgewarnt.

  • Das SRF hat einen Infor­ma­ti­ons­auf­trag zu erfül­len und finan­ziert sich zu einem sehr gros­sen Teil über Gebüh­ren­gel­der. Es ist nicht trag­bar, dass Quack­sal­be­rIn­nen für ihre Wer­be­fens­ter aus dem Gebüh­ren­topf auch noch ent­löhnt werden.

«Gibt es nichts Wich­ti­ge­res zu tun, als auf der armen Frau Kiss­ling her­um­zu­ha­cken?», mögen sich man­che fra­gen. Doch, es gibt immer Wich­ti­ge­res zu tun. Welt­frie­den, Welt­hun­ger, Umwelt­ver­schmut­zung, Gleich­be­rech­ti­gung, Bil­dung, Demo­kra­tie, Reli­gi­ons­frei­heit — über­haupt die Men­schen­rechte — und so wei­ter sind Stich­worte und Anlie­gen, die auf Akti­vis­tIn­nen war­ten, die etwas tun. Und schon sind wir mit­ten­drin: bei huma­nis­ti­schen The­men. Aus der huma­nis­ti­schen Sicht kann die Mensch­heit die anste­hen­den glo­ba­len und indi­vi­du­el­len Pro­bleme nur bewäl­ti­gen, indem sie wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse gewinnt und diese unter Anwen­dung ethi­scher Leit­plan­ken zum Wohle der Mensch­heit und ihrer Umwelt umsetzt. Was dem Anspruch des wissenschaftlich-humanistischen Den­kens im Weg steht, darf und soll kri­ti­siert und mit den ver­füg­ba­ren lega­len Mit­teln bekämpft wer­den. Immer.

Gehts noch?

Ich stelle die­sen Arti­kel am 30. April 2013 ein, wobei die meis­ten Noti­zen vom Februar 2013 her rüh­ren. Vor ein paar Tagen hat mir ein Bekann­ter zuge­tra­gen, dass er vor ein paar Mona­ten eine Weile lang auf einem Pri­vat­sen­der die Astrologie-Beratung von Mike Shiva mit­ge­schaut habe. Er habe aber damals ab– bzw. umschal­ten müs­sen, als sich dort laut sei­ner Aus­sage fol­gen­des zuge­tra­gen habe: Eine Frau rief in die Sen­dung an, die in einer Krise steckte: Bezie­hung weg, ein Kind da, finan­zi­el­ler Not­stand, aber immer­hin noch ein Job, der sie lei­der nicht glück­lich machte. Ihr wurde dann (bestimmt auch auf­grund astro­lo­gi­scher «Erfah­rungs­wis­sen­schaf­ten») gera­ten, den Job zu kün­di­gen. Ich wünschte mir, mein Bekann­ter hätte Datum/Zeit jener Sen­dung notiert. Per­so­nen in Kri­sen­si­tua­tio­nen auf­grund völ­lig blöd­sin­ni­gen astro­lo­gi­schen Wischi­wa­schis zu sol­chen Schrit­ten zu raten, halte ich für kri­mi­nell. Es war ein Pri­vat­sen­der, was es nicht bes­ser macht. Und was lei­der auch durch die Peti­tion nicht abge­deckt wurde.

Keine Hilfe von den Sternen

Reli­gio­nen und Pseu­do­wis­sen­schaf­ten erwei­sen dem Ver­such, tat­säch­lich exis­tie­rende Pro­bleme zu lösen, einen Bären­dienst. Sie zwei­gen viele der Res­sour­cen (z.B. Arbeits­kraft, natür­li­che Res­sour­cen, Geld und per­sön­li­che Initia­tive) für den Selbst­zweck ab, statt sie direkt und wir­kungs­voll auf die Lösung der Pro­bleme zu ver­wen­den. Für Hilfs­be­reit­schaft und ethi­sches Han­deln braucht es keine von Men­schen erdach­ten «Über­we­sen». Und für die posi­tive Beein­flus­sung unse­res indi­vi­du­el­len Schick­sals sind hell­se­he­ri­sche Kar­ten­tricks genauso wenig dien­lich wie astro­lo­gi­sche Rechen­künste über will­kür­lich zu Stern­bil­dern ver­wo­bene, viele Licht­jahre ent­fernte Sterne, die angeb­lich heute — nur durch ihre Posi­tion! — unser Sein und Han­deln beein­flus­sen. Astro­lo­gie gilt als wider­legt — oder zumin­dest als in kei­ner Weise bewiesen.

Die Orga­ni­sa­tio­nen hin­ter der Peti­tion woll­ten und wol­len sich noch immer dafür ver­wen­den, wis­sen­schaft­li­ches und ethi­sches Ver­hal­ten zu för­dern. Ob nun die pri­va­ten Medien pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Unsinn ver­brei­ten und wie die­ser finan­ziert wird, müs­sen deren Ver­le­ge­rIn­nen und — län­ger­fris­tig — die Kon­su­men­tIn­nen selbst ent­schei­den. Bei einer öffentlich-rechtlichen Sen­de­an­stalt gel­ten andere Mass­stäbe, die im Falle des SRF auch im Infor­ma­ti­ons­auf­trag ver­an­kert sind. Und das ist es, wor­auf wir mit der Peti­tion hin­aus­woll­ten. Ein Sen­de­ge­fäss, das fak­tisch als Wer­be­fens­ter fürs pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Kern­ge­schäft einer Ein­zel­per­son dient, darf nicht durch Gebüh­ren finan­ziert werden.

Spä­tes­tens jetzt dürfte auch die Frage auf­kom­men, ob ein reli­giö­ses «Wort zum Sonn­tag» oder eine «Stern­stunde Reli­gion» im Schwei­zer Fern­se­hen noch Platz hat. Beide die­nen nicht als Wer­be­fens­ter für gewinn­ori­en­tierte Orga­ni­sa­tio­nen. Inso­fern sind diese Gefässe nicht von der Peti­tion betrof­fen oder damit quasi «mit-gemeint» . Aus­ser­dem gab es die­sen Früh­ling zwei Sen­dun­gen «Stern­stunde Reli­gion», in wel­chen auch reli­gi­ons­kri­ti­sche Stim­men zu Wort kamen.

Aus mei­ner per­sön­li­chen Sicht — da bin ich ehr­lich — könnte zumin­dest das «Wort zum Sonn­tag» ein paar Ver­än­de­run­gen ver­tra­gen. Unge­fähr die Hälfte aller Ein­woh­ne­rIn­nen emp­fin­den sich als gar nicht reli­giös oder als ihren Kir­chen nicht beson­ders nahe ste­hend. Es stünde dem SRF gut zu Gesicht, unge­fähr jede zweite Aus­gabe jener Sen­dung mit nicht-religiösen Spre­che­rIn­nen zu beset­zen, die neue Impulse geben und das Den­ken in andere, viel­leicht über­ra­schende Rich­tun­gen len­ken. Das kön­nen Leute aus dem huma­nis­ti­schen, wis­sen­schaft­li­chen Umfeld sein, aber auch Künst­le­rIn­nen, wie Auto­rIn­nen, Caba­ret­tis­tIn­nen, Fil­me­ma­che­rIn­nen und so weiter.

Frauen und Esoterik

Warum fin­den so viele Frauen Gefal­len an Astro­lo­gie und ande­ren eso­te­ri­schen Inhal­ten? Diese Frage stelle ich mir schon sehr, sehr lange. Bei der Über­gabe der Peti­tion «Keine Gebüh­ren­gel­der für Schar­la­ta­ne­rie­pro­pa­ganda« war auch Marko Kovic dabei, der den Anlass für die Schwei­zer Skep­ti­ke­rIn­nen doku­men­tierte. Er füllt und pflegt den Pod­cast des Schwei­zer Skep­ti­ker­ver­eins. In die­ser Funk­tion hat er uns reihum mehr­mals sein Dik­tier­ge­rät unter die Nase gehal­ten. Ich kam nicht darum herum, auch etwas zu sagen. Er kon­fron­tierte die mit­an­we­sende Frei­den­ker­kol­le­gin Fran­ziska und mich mit der Aus­sage, dass viele Frauen die Peti­tion ablehn­ten, weil sie diese als frau­en­feind­lich ein­stuf­ten. Diese For­mu­lie­rung war für uns Frei­den­ke­rin­nen eine ziem­li­che Überraschung.

Die Frage, ob das ange­strebte Astrologie-Moratorium in öffentlich-rechtlichen Medien frau­en­feind­lich sei, steht für mich klar hin­ter einer ande­ren Frage zurück: Warum suchen meine Mit­frauen denn astro­lo­gi­sche und andere eso­te­ri­sche Inhalte? Sind alle «blöd», die das suchen? Sind Frauen «blö­der» als Män­ner, weil sie eher auf diese Inhalte anspre­chen? Würde jemand diese Frage seriös erfor­schen, wäre ich eine inter­es­sierte Lese­rin der Resul­tate. Viel­leicht hat das schon jemand getan. Im Moment der Peti­ti­ons­über­gabe konnte ich auf keine Stu­dien zurück­grei­fen, musste ein­fach mut­mas­sen und meine eigene These anbieten.

Ich ver­mute, es ist die vie­len Frauen bzw. Mäd­chen aner­zo­gene Hal­tung, dass ihr per­sön­li­ches Wohl­er­ge­hen von Fremd­fak­to­ren abhängt. Von Fak­to­ren, die sie nicht selbst beein­flus­sen kön­nen. Schon mei­ner Mut­ter wurde sei­tens ihrer Eltern (lei­der mit Erfolg, sie hätte Talent gehabt) nahe­ge­legt, auf ein Stu­dium zu ver­zich­ten, «weil sie ja sowieso hei­ra­ten» werde. Sie solle sich dar­auf ver­las­sen, dass der Traum­prinz (Ehe­mann) sie schon glück­lich machen könne.

Vie­les hat sich seit­her bei den Rah­men­be­din­gun­gen geän­dert. Frauen, die sich in Aus­bil­dung und Beruf rein­knien, wer­den nicht mehr nur als abar­tige Eman­zen taxiert. Den­noch hält sich das alte Bild in vie­len von ihnen hart­nä­ckig — und das aus­ge­rech­net in den Erwar­tun­gen und Wün­schen eini­ger Frauen selbst. Wäh­rend eine gute Aus­bil­dung für Män­ner als zukünf­tige Ernäh­rer heut­zu­tage immer noch quasi Pflicht ist, um auf einen grü­nen Zweig zu kom­men, gilt das­selbe für Frauen auch hier­zu­lande immer noch so ein wenig als Luxus. Ich könnte mir vor­stel­len, dass es immer noch viele Frauen gibt, die unwis­sent­lich in einer Art archai­schen Prinzessinnen-Denkens ver­haf­tet sind. Betreffe es die soziale Sicher­heit, den Wohl­stand oder das pri­vate Glück — jemand soll bitte dafür sor­gen, dass diese Hoff­nun­gen erfüllt oder deren Erfül­lung ermög­licht wer­den. Das wird der Traum­prinz sein, der auf der Bild­flä­che erscheint, um die­sen Ansprü­chen zu genü­gen. Die Alter­na­tive — näm­lich ohne lie­ben­den Part­ner, ohne sozia­les Netz und ohne Fami­lie zu sein — ist eine schreck­li­che Vision. Frauen, die das per­sön­li­che oder finan­zi­elle Glück nicht fin­den, hof­fen nach wie vor auf den Kos­mos, auf Gott, auf unsicht­bare Wesen, auf das Schicksal.

Wahr­sa­ge­rIn­nen und Astro­lo­gIn­nen erhal­ten darum die wie­der­keh­rende und bestimmt lukra­tive Auf­gabe, die­sen Frauen immer und immer wie­der zu bestä­ti­gen, dass die­ser Traum­prinz schon bald vor der Türe steht. Hier darf der Begriff des «Traum­prin­zen» durch­aus als Meta­pher her­hal­ten. Es muss sich nicht ein­mal um eine Per­son han­deln, die mit viel Geld und Liebe eine Frau ins soziale Wohl­ge­fal­len kata­pul­tiert. Aber ich meine bei den Anhän­ge­rin­nen der Astro­lo­gie diese pas­sive Prinzessinnen-Haltung aus­zu­ma­chen: Die Idee, dass etwas von aus­sen kommt und im eige­nen Leben Wun­der bewirkt. Und die Aus­sicht dar­auf, dass es ohne eige­nes Zutun eintritt.

Jetzt müsste ich mich hier dar­über aus­las­sen, dass frau ihr Leben selbst in die Hand neh­men solle, dass frau auf nie­man­den sonst ver­trauen kann, als auf sich selbst, dass frau trotz­dem posi­tiv den­ken solle. Und so wei­ter. Aber das sind Tri­vi­al­re­zepte, auf die hof­fent­lich jede frü­her oder spä­ter selbst kommt.

Glück­lich­sein ist ein Zustand. Ihn zu errei­chen bedarf es kei­ner kos­mi­schen Ener­gie, son­dern oft genug eige­ner Arbeit. Glück zu haben ist Zufall. Und von dem sind Frauen wie Män­ner glei­cher­mas­sen abhängig.

PS: Den Medi­en­spie­gel zur Peti­tion fin­det Ihr hier.