Bei uns werden die Kinder bluten. Aber freiwillig - und nur fürs Mikroskop. Campquest.ch

CampQuest.ch – die Kinder werden bluten! ;-)

Camp Quest, das wissenschaftlich-humanistische Sommerlager ist für Kinder und Jugendliche von 9 bis 15 Jahren ausgelegt. Dieses Jahr findet es erstmals auch in der Schweiz statt: vom 4. – 10. August 2013 in Mundaun bei Obersaxen/GR. Das Programm kann sich sehen lassen und dürfte auch in den grössten Schulmuffeln wenigstens ein bisschen Interesse für wissenschaftliche Themen wecken. Bitte bald anmelden – die Plätze sind begrenzt!

Who’s evil now? – Die AdSense-Erpressung

Oder wie Google IT-Verlage zum Öffnen von Pandoras Büchse zwingt.

Auch wenn es uns manche nicht glauben wollten, war ein Aufrechterhalten der Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen auch bei meinem Arbeitgeber IDG Schweiz (Publikationen PCtipp und Computerworld) bislang ein ehernes Gesetz. Es bedeutete: Die Anzeigenabteilung hatte bei redaktionellen Inhalten nicht dreinzureden. Und das war gut so. Über das Druckmittel der Onlinewerbung ist Google jetzt aber in der Lage, IT-Verlage wie den unsrigen zum Öffnen dieser Büchse der Pandora zu zwingen.

Böse YouTube-Tools

Nun hat’s also uns erwischt: Google hat am Freitagnachmittag das Ausliefern von AdSense-Werbung auf der PCtipp-Webseite gestoppt. Unser Verlag wurde aufgefordert, einige Anwendungen aus dem PCtipp-Downloadbereich zu entfernen. Würden wir dem nicht Folge leisten, werde unser AdSense-Konto dauerhaft deaktiviert, siehe Screenshot einer solchen Mail.

Mail von Google droht mit Deaktivierung von AdSense

So sieht die Mail aus, in der Google die PCtipp-Redaktion zwingt, bestimmte Downloads zu entfernen.

Unter den rund 5000 Downloads im PCtipp-Downloadbereich waren auch einige Tools, mit deren Hilfe ein Anwender YouTube-Videos lokal speichern könnte. Das da sind einige davon: aTube Catcher, YouTube Songdownloader, YouTube Downloader, Free YouTube to MP3-Converter, Freemium TubeBox, Freerecorder, Free Studio, ClipGrap und Ashampoo Clip Finder.

Was haben wir gemacht? Richtig: die Tools von der Webseite genommen. Ich fühle mich übrigens an den Sommer 2008 erinnert. Damals entfernten wir wegen der Gesetzesänderung in Bezug auf die Umgehung «technischer Schutzmassnahmen für die Wahrnehmung von Rechten» schon einmal rund 70 Downloads von unserer Webseite (siehe PDF). So sehr wir damals auch redaktionsintern mit den Zähnen knirschten – wir hatten nicht einmal theoretisch eine Wahl. Vor fünf Jahren mussten die Tools zum Rippen von DVDs aus gesetzlichen Gründen weg. Das ist noch tolerierbar. Nun zwingt uns also auch Google dazu, weitere redaktionelle Inhalte zu entfernen.

Mir (und meinen KollegInnen im Verlag) ist schon klar, dass die theoretische Wahl weiterhin bestünde. Schliesslich ist niemand gezwungen, bei Google AdSense mitzumachen. Das macht diese «Friss oder stirb»-Situation aber nicht besser: Ohne Google ist im Onlineanzeigenmarkt kaum auszukommen. Das Unternehmen beherrscht in diesem Business quasi 100% des Marktes, in weiten Teilen der Welt, sicher aber in der Schweiz und der EU. Google Ads gehören aus verschiedenen Gründen sowohl bei Portalen als auch bei KonsumentInnen zu den «beliebteren» Werbeformen. Sie sind nicht so aufdringlich gestaltet, dass sie die WebsurferInnen wirklich stören könnten. Weil die Ads (wegen AdSense) oft thematisch zu den sie umgebenden Inhalten passen, landet darauf auch gerne mal der eine oder andere Klick. Dadurch profitieren auch die beworbenen Unternehmen davon. Die Ads lassen sich einfach verwalten, optisch ans Umfeld anpassen und bringen ansehnliche Werbeeinnahmen, auf die kaum ein Verlag verzichten kann. Auch IDG Schweiz nicht. In den Leser- und Verkaufszahlen stehen wir mit dem Printprodukt PCtipp im Vergleich zu anderen noch gut da. Aber auch wir spüren die fallenden Umsätze im Printbereich. Die Einnahmen im Onlinebereich fangen dies nur zum Teil auf. Und wie wir alle wissen: Paywalls funktionieren bei den KonsumentInnen nicht wirklich. Faktisch ist also der Verzicht auf Google Ads keine Alternative.

Übrigens: Moment mal! Kommt das denn wirklich niemandem bekannt vor? Ein milliardenschweres US-Unternehmen beackert auch in der EU einen Markt, in dem es quasi keine Konkurrenz gibt. Somit liegt ein De-Facto-Monopol vor. Ich will jetzt nicht «Microsoft» sagen, aber Google wäre nicht das erste grosse IT-Unternehmen, das von der EU saftige Bussen und Auflagen wegen des Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung kassiert.

«Bewusstsein = Leben» oder «Leben = Bewusstsein»?

An der Delegiertenversammlung vom 26.05.2013 der Schweizer FreidenkerInnen erfüllten die TeilnehmerInnen nicht nur ihre Aufgabe zur Wahl eines neuen Präsidiums (siehe hier), sondern konnten auch ein Referat des freien Philosophen Imre Hofmann mit anschliessender Diskussionsrunde verfolgen. Das Thema drehte sich um die philosophische Sicht aufs Human Brain Project – und um die Frage: «Steckt ein Geist in der Maschine?». Anlass dazu war die kürzliche Vergabe grosser EU-Geldbeträge an das Projekt.

Die Idee hinter dem Projekt ist ambitiös: Das gesamte bisher vorhandene Wissen übers menschliche Gehirn sammeln und zusammenführen, mit der Absicht, dieses so weit wie möglich in einer IT-basierten Simulation abzubilden. Der Zweck könnte sein, bei manchen Experimenten oder bei der Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten bei gewissen Erkrankungen nicht auf menschliche Versuchskaninchen angewiesen zu sein. Ein grosser Teil des Projekts wird sich der Frage widmen, wie bereits wenige neuronale Zellen überhaupt interagieren. Aber die Idee, ein menschliches Gehirn – vielleicht als ganzes – simulieren zu wollen, wirft ein paar ethische Fragen auf.

Imre Hoffmann legte gegenüber dem Publikum seine Zweifel dar, ob er aus philosophischer Sicht überhaupt etwas zum Thema beitragen könne. Die am HBP Beteiligten vermeiden konsequent Wörter wie «Psyche» oder «Bewusstsein». Jeder Versuch, ein Gehirn in einem Computer abzubilden, kann nur eine grobe Skizze sein. Vergleichbar mit einer Landkarte, die zwar zeigen kann, wo sich welche Region befindet, aber keine Auskunft darüber gibt, wie es an dieser oder jener Stelle wirklich aussieht/riecht/klingt, wie sich gar der Boden beim Drüberlaufen anfühlt oder wem man dort begegnet. Jene Punkte, die den Philosophen wirklich interessieren, kommen in den offiziellen Dokumenten des HBP nach Hofmanns Aussage kaum aufs Tapet. Sei es, weil die ForscherInnen diese Punkte vielleicht schon bei der Forschungsarbeit gezielt ausklammern, sei es, weil sie keine Wahrscheinlichkeit sehen, dass ihr Projekt so weit fortschreiten könnte oder sei es, weil es sich aus marketingtechnischen Gründen besser macht, keine Ängste zu wecken. Ich tippe eher auf die Punkte 2 und 1. Aber was, wenn doch? Laut Imre Hofmann steckt kein Geist in der Maschine. Das, was eine Person ausmacht, kann auch durch modernste Entwicklungen in der IT keinen Boden – bzw. passende Hardware – für eine solche Annahme liefern.

Was ist das Bewusstsein?

Extrapoliert oder skaliert man die Idee, an einer Handvoll Zellen zu forschen auf die Forschung an einer kompletten Simulation des Gehirns, stellen sich für mich persönlich die ethischen Fragen ein. Wie genau lässt sich ein Gehirn als Simulation abbilden? Wem nützt diese Simulation? Und wo stehen die Grenzen? Eine in zahlreichen Science-Fiction-Romanen oder -Filmen bekannte Abbildung eines gesamten Gehirns inklusive Bewusstsein ist illusorisch (nur schon in den verschiedenen StarTrek-Serien gab es wohl mindestens drei solche Episoden).

Die HBP-ForscherInnen wollen dieses Szenario ausklammern. Die Ansammlung einzelner Zellen – sogar, wenn es viele wären – wäre noch weit davon entfernt, etwas zu bilden, das eine Psyche entwickeln könnte. Aber ohne Verschwörungstheorien wecken zu wollen, würde es mich interessieren: Was geschieht, wenn die Simulation dem menschlichen Gehirn nahe genug kommt, um trotzdem eine Art von Bewusstsein zu entwickeln? Woran erkennt man Bewusstsein? Reicht eine Reaktion auf die Umwelt aus, um ein Bewusstsein nachzuweisen? Hat ein Nesseltier im Meer ein Bewusstsein, weil es auf seine Umgebung reagiert? Oder sind das nur «dumme» Reaktionen seines Nervensystems? Imre Hofmann beantwortet die Frage nach dem Bewusstsein damit, dass jedes Wesen oder Ding selbst für sich entscheiden muss, ob es ein Bewusstsein hat. Das Bewusstsein des Gegenübers liegt somit nur in unserem Ermessens- und Erwartungsspielraum. Das mag stimmen, aber es zeigt nicht, wie wir mit anderen Wesen/Dingen umgehen, die mutmasslich eines haben. Hat alles, was lebt, eine Art von Bewusstsein? Oder zählen wir etwas, das ein Bewusstsein hat, automatisch zu den Lebewesen?

Schaltet den Androiden aus

Falls eine Simulation etwas wie ein Bewusstsein entwickeln könnte, dürfte man sie dann auch nach Gutdünken abschalten? Hier stelle ich gerne den Bezug zu einer Star Trek TNG Folge her, in der es darum geht, ob der Androide namens «Data» von einem übereifrigen Wissenschafter aus der Crew genommen und zu Forschungszwecken zerlegt werden darf. Die Vehemenz, mit der Data um seinen Verbleib in der Crew und gegen seine Zerlegung kämpft, ist in der Folge auch ein Grund für die Richterin, ihm ein Bewusstsein und ein Selbstbestimmungsrecht zu attestieren.

Aber zurück zur Gegenwart und nahen Zukunft. Die aktuellen Versuche beschränken sich auf ein paar Nervenzellen. Die Simulation findet in vielen Grossrechnern verteilt statt. Den Androiden «Data» wird es nicht so bald geben, schon weil die Rechenkapazität auf diesem Raum nicht Platz hätte, zumal der Körper auch noch unzählige Bewegungsmotoren enthalten müsste. Wenn Sony einen kleinen zweibeinigen Roboter entwickelt, ist es schon eine Höchstleistung, wenn dieser nicht bei jeder Türschwelle auf die Nase fällt. Und dabei hat er noch nicht intelligent auf seine Umwelt reagiert.

Ein durch Computer simuliertes Gehirn entspricht nicht dem Gehirn eines echten Lebewesens. Das kann es schon nicht, weil es auf gewisse Reize nicht adäquat reagieren kann. Es hat ja einerseits den Zweck, menschliches Verhalten zu imitieren, andererseits soll es quasi ein Mensch sein.

Nehmen wir das simple Beispiel: Ein Glas Wasser kann für einen echten Menschen das Überleben bedeuten. Würde man das Gehirn des Menschen simulieren, müsste die Simulation nur vorgeben, ein Glas Wasser für überlebenswichtig zu halten. In Wahrheit ist Wasser entweder komplett irrelevant oder sogar schädlich für den Metall/Plastik-Kasten, in welchem das simulierte Gehirn steckt. Etwas, das ein Bewusstsein hat, weiss auch um seine eigene Situation. Und da haben wir es. Behauptet das simulierte Gehirn, es brauche Wasser, lügt es. Ein Mensch würde den Wasserbedarf aber niemals abstreiten. Die Simulation kann also behaupten, Wasser zu brauchen, was eine Lüge wäre (und sie als nicht menschlich taxieren würde) oder nicht zu brauchen, womit die Simulation dann nicht mehr menschenähnlich wäre. Sobald eine Simulation des menschlichen Gehirns ein Bewusstsein entwickelt, ist es keine Simuation mehr, sondern etwas Neues.

Die Langweiligkeit des Schönen

Da ich nun meine Notizen zur Petition gegen die SRF Astrologie-Propaganda inkl. Medienspiegel hier eingeklebt habe, will ich mal ernst werden.

Für die Medien war die Petition ein tolles Aufregerthema, das von ihnen selbst mitbefeuert wurde. Von den InitiantInnen der Zürcher Sektion der Freidenker-Vereinigung ist keine einzige Pressemitteilung verschickt worden. Das Ausmass der Berichterstattung (siehe erwähnten Medienspiegel) war beachtlich. Die Medien witterten Blut und Tränen: Die Petition richtete sich gegen etwas, das für manche Menschen Bedeutung hat. Und quasi «gegen» einen Promi. 

Wenn sich derselbe Absender konstruktiv und positiv betätigt, lässt das die Medien kalt. Ein paar Dutzend recht gezielt verschickte Mitteilungen an die Medien und noch mehr Kontaktaufnahmen an wissenschaftliche Kreise schaffen es nicht, das aktuelle Projekt des Vereins auch nur ansatzweise bekannt zu machen: Die Premiere von Camp Quest Schweiz.

Camp Quest ist ein wissenschaftlich-humanistisches Sommerlager für Kinder. Die ersten Camp Quests sind in den Neunzigern in den USA entstanden, als Alternative zu den religiös gefärbten Bible Camps. Das Konzept hat auch in Grossbritannien Fuss gefasst und feiert dieses Jahr Schweizer Premiere. Der Schwerpunkt dieses konfessionsfreien Sommerlagers liegt auch definitiv nicht auf «Religionsbashing». Es spielt keine Rolle, ob die teilnehmenden Kids oder ihre Eltern einer Religion angehören. Das hätte neben dem Angebot des Camps sowieso keinen Platz: Kinder und Jugendliche auf unverkrampfte Weise an wissenschaftliche Themen wie Biologie, Physik, Chemie, Astronomie und Philosophie heranzuführen und logisches, kritisches Denken zu fördern.

Wie das faszinierende Programm, das meine KollegInnen auf die Beine gestellt haben, im Detail aussieht, brauche ich hier nicht noch einmal aufzuzählen, da das alles auf der Webseite steht (und ich das auch in Medienmitteilungen mehrmals zusammengefasst habe). Camp Quest dreht sich um die Schönheit und Vielfalt der Natur, die wunderbare Vorhersehbarkeit der Physik, um unsere Geschichte und um die Weite des Weltalls. Und nicht zuletzt um unsere eigene, kleine Fehlbarkeit, derer wir uns auch im Zusammenleben mit Mitmenschen bewusst sein sollten.

Ich finde, manche Medien – vielleicht nicht dieselben, die sich auf die SRF-Astro-Petition gestürzt haben – dürften positiven Ansätzen und Ideen etwas mehr Raum bieten. Aber das Schöne und Konstruktive ist halt nicht schick genug für die Presse.

SRF-Petitionsübergabe (Quelle: kyriacou.ch)

Medienspiegel zur Petition «SRF soll Scharlataneriepropaganda beenden»

Im Januar 2013 lancierten die Zürcher FreidenkerInnen eine Petition «SRF soll Scharlataneriepropaganda beenden». Siehe auch diesen Blogpost. Die Medienreaktionen waren zahlreich. Bisher hatte ich die Links in einem Google+Post gesammelt, weil meine eigene Webseite eine Dauerbaustelle war. Da ich mich nun entschieden habe, WordPress zu behalten, stelle ich die Linksammlung auch hier ein. Hier ist sie einfacher zu finden.

Medienspiegel: Keine Gebührengelder für Scharlatanerie

Die Petition der Zürcher FreidenkerInnen und SkeptikerInnen will erreichen, dass auf den Kanälen des gebührenfinanzierten Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) quacksalberische Gefässe im Stile einer «Madame Étoile» gestrichen werden. Anlass dazu gab beispielsweise das Hervorheben des Astrologie-Contents auf der SRF-Webseite als «Highlight». Die Sendung «Madame Étoile» dient lediglich als Werbefenster für die Anbieterin dieses pseudowissenschaftlichen Unsinns. Das SRF hat selbst Mühe damit, diesen Inhalt korrekt zu verorten. Während der Pressesprecher es als «Unterhaltung» betrachtet, ist Monica Kissling («Madame Étoile») der Ansicht, es handle sich um «Erfahrungswissenschaft».

Die Petition:
http://www.activism.com/de_CH/petition/srf-soll-scharlataneriepropaganda-beenden/41559
Die sich einfacher zu merkende Kurzadresse dazu:
http://bit.ly/AstroStopp

Die offizielle Info auf der frei-denken.ch-Webseite:
http://www.frei-denken.ch/de/2013/01/keine-gebuhrengelder-fur-scharlatane/

Die Skeptiker sind auch an Bord:
http://skeptiker.ch/index.php/skeptikerblog/38-petition-gegen-astrologie-im-oeffentlich-rechtlichen-rundfunk

Den Stein ins Rollen brachte eine Twitter-Diskussion, mit Beteiligung von Piraten, Skeptikern und Freidenkern. Siehe zum Beispiel:
https://twitter.com/SciF0r/status/286046249214410752 sowie
https://twitter.com/andreaskyriacou/status/286451568620998656

Schon im Vorfeld der Petitionslancierung, nämlich im November 2012, warf der Artikel «Radio Vollmond» in der BaZ ein paar kritische Fragen auf:
http://bazonline.ch/kultur/diverses/Radio-Vollmond/story/13163978

Nach Lancierung der Petition haben sich einige Medien des Themas angenommen, obwohl weder die Freidenker noch die Skeptiker hierzu Medienmitteilungen verschickt haben:

20 Minuten hat am 3. Januar 2013 die Gunst der Stunde genutzt und zuerst darüber berichtet:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Keine-Gebuehrengelder-fuer-Scharlatane–14022540

Am 4. Januar 2013 erschien auf Ordnungspolitik.ch dieser Beitrag:
http://www.ordnungspolitik.ch/2013/01/04/astrologie-petition-gegen-die-sternenwetterfee-von-srf-3/

Ebenfalls am 4. Januar 2013 entschied auch die BaZ, das Thema weiter zu verfolgen:
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Information-an-die-man-glauben-muss/story/12793086

Das Portal der katholischen internationalen Presseagentur Kipa-Apic berichtete am 4. Januar 2013:
http://www.kipa-apic.ch/index.php?na=0,0,0,0,d&ki=238697

[edit 17.01.2013] Das Infamy-Blog warf am 4. Januar 2013 einen Blick zurück und zeigt “Wie alles begann”:
http://infam.antville.org/stories/2147938/

[edit 17.01.2013] Das kritikasterblog erwähnte am 5. Januar 2013 die Petition und stellte die Frage: “Gehören ‘Madame Etoile’ und ‘Jeder Rappen zählt’ zum Service Public?”
http://kritikasterblog.wordpress.com/2013/01/05/gehoeren-madame-etoile-und-jeder-rappen-zahlt-zum-service-public/

[edit 25.01.2013] Das deutsche Skeptikerportal Gwup.net berichtete am 06.01.2013 ein erstes mal über die Petition:
http://blog.gwup.net/2013/01/06/anti-astrologie-petition/

Die NZZ entdeckte die Petition am 7. Januar 2013:
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/vorwurf-der-scharlatanerie-1.17926220

Das den Freidenkern sonst skeptisch gegenüberstehende Portal http://jesus.ch berichtete am 9. Januar 2013 und grenzte sich klar gegen Aberglauben ab:
http://www.jesus.ch/magazin/gesellschaft/232009-freidenker_wehren_sich_gegen_aberglauben_auf_srf.html
[edit 14.01.2013, 00:23]
Selbiger findet sich auch auf Livenet.ch:
http://www.livenet.ch/magazin/gesellschaft/232009-freidenker_wehren_sich_gegen_aberglauben_auf_srf.html

Die BaZ blieb am 11. Januar 2013 am Thema dran:
http://bazonline.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335
Der Artikel erschien via Newsnetz auch beim Tages Anzeiger:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335
[edit 16.01.2013] Und gleichentags beim Bund:
http://www.derbund.ch/kultur/diverses/Eiertanz-unterm-Sternenhimmel/story/22653335

[edit 13.01.2013, 22:12]
Esoterik- und Religionskritiker Hugo Stamm analysiert den Sachverhalt für den Tages Anzeiger:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Das-Kreuz-mit-den-Sternen/story/23847014

Persoenlich.com, das Portal der Kommunikationswirtschaft, streifte das Petitionsthema ebenfalls am 11. Januar 2013; leider ohne einen Link oder wenigstens die Urheber der Petition zu erwähnen:
http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=106036

Peter Rothenbühler von der Sonntagszeitung widmete der Petition bzw. der Protagonistin seine Kolumne «Liebe Monica Kissling»:
http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/kolumne-peter-rothenbuehler/kolumne-peter-rothenbuehler-detailseite/?newsid=240331

Der Tages Anzeiger trägt am 16.01.2013 die Haltung einiger ParteisprecherInnen zusammen: Die ehemals auf wissenschaftliche Objektivität pochende SP unterstütze laut SP-Sprecher Andreas Käsermann die Astrologin Monica Kissling, während SVP-Generalsekretär Martin Baltisser und CVP-Sprecherin Marianne Binder vom SRF hierzu eine klare Definition des Service Public und eine klare Deklaration des unwissenschaftlichen Inhalts verlangen. Die FDP in Form der Parteisprecherin Pia Guggenbühl gibt sich gewohnt unentschlossen und verlangt nach keiner Änderung, obwohl sie die Sendung eigentlich auch ablehnt:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Sicher-stoert-sie-nur-eine-verschwindend-kleine-Minderheit/story/20728625
Gleicher Artikel auch via Berner Zeitung:
http://www.bernerzeitung.ch/leben/gesellschaft/Sicher-stoert-sie-nur-eine-verschwindend-kleine-Minderheit/story/20728625

Jetzt auch Medien in Deutschland. Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 16.01.2013 über die Petition:
http://www.sueddeutsche.de/u5d388/1083577/Sterne-luegen-nicht.html

Und gleich noch einmal jenseits des Rheins, nämlich vom Deutschlandradio, 16.01.2013:
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/2013011610/4/

Der Herr Glogger konnte im Blick am Abend vom 16.01.2013 offenbar dem Thema auch nicht widerstehen und “mailt”:
https://twitter.com/andreaskyriacou/status/291574628621627392/photo/1

[edit 24.01.2013] Am 16.01.2013 trug auch das Portal heilpflanzen-info.ch die bis dahin aufgelaufenen Reaktionen zusammen und brachte u.A. den Barnum-Effekt ins Spiel.
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/tag/schweizer-freidenker-vereinigung

Eine Zwischenbilanz zur Petition und zur daraus entstandenen Debatte liefert Zürcher Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou in seinem Blogbeitrag vom 17.01.2013:
http://kyriacou.ch/2013/01/zunehmende-vorbehalte-gegen-astrologiewerbung-auf-srf/

Die Sonntagszeitung setzte sich mit Monica Kissling für den Artikel vom 20.01.2013 an den Mittagstisch. Die Astrologin habe das Unheil vorhergesehen. Sie könne den Einfluss der Sterne auf unseren Charakter erklären, wenn auch nicht restlos. Beweisen kann sie es halt doch nicht.
http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/artikel-detailseite/?newsid=241055

Die kath. internationale Presseagentur Kipa-Apic doppelt am 20.01.2013 nach:
http://kipa-apic.ch/index.php?pw=&na=0,0,0,0,d&ki=239219

Auch das kritikasterblog zieht am 21.01.2013 eine Zwischenbilanz:
http://kritikasterblog.wordpress.com/2013/01/21/zwischenbilanz-der-petition-gegen-madame-etoile-und-der-beanstandung-von-jeder-rappen-zaehlt/

Hugo Stamm zerpflückt am 24.01.2013 im Newsnetz-Blog genüsslich die pikierte Reaktion Monica Kisslings auf die lauter werdende Kritik.
http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/blog/2013/01/24/das-kreuz-mit-den-sternen-von-monica-kissling/

Mit Bezug auf Hugo Stamms Beitrag griffen die Skeptiker von Gwup.net das Thema am 25.01.2013 noch einmal auf:
http://blog.gwup.net/2013/01/25/madame-etoile-und-die-lila-flieder-tone-der-astrologen/

Kipa-Apic versucht am 31.01.2013 den satirischen Ansatz:
http://www.kipa-apic.ch/index.php?na=0%2C0%2C0%2C0%2Cd&ki=239249

Am Tag bevor wir die Petition eingereicht haben, geht es schon wieder los mit der Berichterstattung. Den Anfang macht Tagi Online am 7.2.2013:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Das-Ende-des-KisslingParadoxons/story/26895232

Der Nebelspalter hat ebenfalls am 7.2.2013 mal seine HofastrologInnen nach der Meinung der Sterne angesichts der Petitionsübergabe befragt:
http://www.nebelspalter.ch/Pluto+gegen+Madame+Etoile/574967/detail.htm

+Andreas Kyriacou durfte am Vormittag vor der Petitionsübergabe für den Blick am Abend vom 8.2.2013 posieren:
http://epaper.blick.ch/flipbook/baa.html?doc=BAA080213ZH&issue=zeitung&region=ZH#11

Sollten noch weitere Erwähnungen/Links auftauchen, baue ich sie hier gerne noch ein.

Werbung à la Scareware in Android-Apps

Für Android-User ist es normal, für die meisten Apps nicht zu bezahlen – jedenfalls nicht mit barer Münze. Google Play gibt genug her. Bisher gibts keine Anwendung, die ich für wichtig genug gehalten hätte, um sie fürs Smartphone in einer werbefreien Version zu kaufen. Die wichtigsten Produktiv-Apps gibt es sogar werbefrei.

Beispiel eines Scareware-Ads in einem Game aus Google Play

Also bezahlt man als Android-User mit dem Ertragen von Werbung (Ads) in den Apps; sogar dann, wenn sie blöd herumblinken und mit wirklich dämlichen Inhalten daherkommen. In Games erscheinen bei Level-Ende auch Interstitials mit Werbung. Wir Android-User tragen’s mit Fassung und klicken sie weg.

Was aber meiner Meinung nach überhaupt nicht akzeptabel ist, sind Ads, die im Scareware-Stil daherkommen. Im von mir sonst geschätzten Game «Dragon Gem» tauchten vor ein paar Tagen anstelle der bisher gewohnten Banner für irgendwelche Food-Lieferanten, Mode- oder Spielzeugartikel plötzlich Ads im Scareware-Stil auf. Genau jener Mist, den wir auch von einigen Webseiten kennen. Jene Bullshit-Werbung, die so gestaltet ist, dass arglose BenutzerInnen sie für echte Schädlingswarnungen halten.

Was beim Anklicken solcher Ads auf einem (Windows-)PC passiert, wissen wir: Die Nutzer landen auf dubiosen Webseiten, die angebliche Virenscans durchführen und die gefundenen (nicht wirklich vorhandenen) Computerviren gegen Bares entfernen. Diese Masche nennt man Scareware (von engl. «to scare», verängstigen). Die besonders dreisten Abzocker holen sich bei den leichtgläubigen AnwenderInnen per Popup die Erlaubnis ein, bestimmte Scripts auszuführen – womit dann echte Malware auf dem PC landet.

Wohin mich das oben abgebildete Banner im Scareware-Stil beim Drauftippen bringen würde, weiss ich nicht. Es ist ja nur ein Banner, das so aussieht, als handle es sich um eine Schädlingsmeldung. Es dürfte den User aber dennoch zum zweifelhaften Angebot eines unseriösen Unternehmens führen. Solche Werbemethoden sind missbräuchlich, weil irreführend, betrügerisch und beleidigend. 

Meine Bitte an Google: Ändert Eure Policy in Bezug auf In-App-Werbung. Wer bei Google Play eine App reinstellt, soll sich dazu verpflichten, von Scareware-artigen Ads Abstand zu nehmen. Und die User sollen bitte eine einfache Möglichkeit haben, Scareware-Ads zu melden.

Kein seriöses Unternehmen hat solche Werbung nötig.

Was habt Ihr gegen Madame Étoile?

Als ersten Beitrag möchte ich zur Sache «FreidenkerInnenn gegen Madame Étoile» etwas schreiben. Nicht, weil mir das im Moment besonders unter den Nägeln brennt, sondern weil diese Notizen bei mir noch herumlagen und ich es schade gefunden hätte, sie einfach wegzuwerfen.

Wie meinem Feed auf Twitter, Facebook und Google+ im Januar/Februar 2013 unschwer zu entnehmen war, gehöre ich zum Unterstützungsteam einer Petition, die von den Schweizer FreidenkerInnen, SkeptikerInnen und der Giordano-Bruno-Stiftung Schweiz lanciert und getragen wurde: Keine Gebührengelder für Scharlataneriepropaganda. Die Petition wollte den Missstand beheben, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) noch immer Sendungen mit pseudowissenschaftlichem, quacksalberischem Inhalt ausstrahlt. Kritisiert wird von uns als Beispiel die Sendung Monica Kisslings alias «Madame Étoile» auf Radio SRF3. Als besonders kritikwürdig empfanden und empfinden wir noch immer diese Punkte:

  • Die Diskrepanz in der Selbstwahrnehmung der kritisierten Parteien. Ein SRF-Sprecher tut die Sendung als harmlose Unterhaltung ab, während sich die Astrologin selbst hartnäckig als «seriöse Erfahrungswissenschaftlerin» bezeichnet. Wenn sich schon die Zuständigen im Sender nicht einig sind, unter welchem Etikett ein Gefäss einzuordnen ist, wie soll denn das Publikum eine ausreichend scharfe Definition dafür finden? Astrologische Beratungen können sehr ins Auge gehen. Siehe Absatz «Gehts noch?». Es gibt Leute, die das sehr ernst nehmen und aufgrund solcher Ratschläge fatale Entscheidungen treffen.

  • Die Tatsache, dass Frau Kissling neben ihrem SRF-Job ein Unternehmen betreibt, mit dem Ziel, die quacksalberischen Inhalte gewinnbringend zu verkaufen. Das SRF bezahlt die Astrologin für diese Sendungen und finanziert ihr damit ein Werbefenster. Normalerweise ist es doch umgekehrt: Es sollte doch der Sender sein, der für Werbefenster Geld einnimmt.
    Meine Meinung: Würde Frau Kissling für das Werbefenster bezahlen und würde dies als solches deklariert, wäre das Problem des Unsinn-Verbreitens zwar nicht aus der Welt. Aber das Gebühren zahlende Publikum würde mit solchem Mumpitz nicht belastet und die potentiellen Astrologie-Gläubigen wären aufgrund des Werbefenster-Hinweises vielleicht etwas vorgewarnt.

  • Das SRF hat einen Informationsauftrag zu erfüllen und finanziert sich zu einem sehr grossen Teil über Gebührengelder. Es ist nicht tragbar, dass QuacksalberInnen für ihre Werbefenster aus dem Gebührentopf auch noch entlöhnt werden.

«Gibt es nichts Wichtigeres zu tun, als auf der armen Frau Kissling herumzuhacken?», mögen sich manche fragen. Doch, es gibt immer Wichtigeres zu tun. Weltfrieden, Welthunger, Umweltverschmutzung, Gleichberechtigung, Bildung, Demokratie, Religionsfreiheit – überhaupt die Menschenrechte – und so weiter sind Stichworte und Anliegen, die auf AktivistInnen warten, die etwas tun. Und schon sind wir mittendrin: bei humanistischen Themen. Aus der humanistischen Sicht kann die Menschheit die anstehenden globalen und individuellen Probleme nur bewältigen, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnt und diese unter Anwendung ethischer Leitplanken zum Wohle der Menschheit und ihrer Umwelt umsetzt. Was dem Anspruch des wissenschaftlich-humanistischen Denkens im Weg steht, darf und soll kritisiert und mit den verfügbaren legalen Mitteln bekämpft werden. Immer.

Gehts noch?

Ich stelle diesen Artikel am 30. April 2013 ein, wobei die meisten Notizen vom Februar 2013 her rühren. Vor ein paar Tagen hat mir ein Bekannter zugetragen, dass er vor ein paar Monaten eine Weile lang auf einem Privatsender die Astrologie-Beratung von Mike Shiva mitgeschaut habe. Er habe aber damals ab- bzw. umschalten müssen, als sich dort laut seiner Aussage folgendes zugetragen habe: Eine Frau rief in die Sendung an, die in einer Krise steckte: Beziehung weg, ein Kind da, finanzieller Notstand, aber immerhin noch ein Job, der sie leider nicht glücklich machte. Ihr wurde dann (bestimmt auch aufgrund astrologischer «Erfahrungswissenschaften») geraten, den Job zu kündigen. Ich wünschte mir, mein Bekannter hätte Datum/Zeit jener Sendung notiert. Personen in Krisensituationen aufgrund völlig blödsinnigen astrologischen Wischiwaschis zu solchen Schritten zu raten, halte ich für kriminell. Es war ein Privatsender, was es nicht besser macht. Und was leider auch durch die Petition nicht abgedeckt wurde.

Keine Hilfe von den Sternen

Religionen und Pseudowissenschaften erweisen dem Versuch, tatsächlich existierende Probleme zu lösen, einen Bärendienst. Sie zweigen viele der Ressourcen (z.B. Arbeitskraft, natürliche Ressourcen, Geld und persönliche Initiative) für den Selbstzweck ab, statt sie direkt und wirkungsvoll auf die Lösung der Probleme zu verwenden. Für Hilfsbereitschaft und ethisches Handeln braucht es keine von Menschen erdachten «Überwesen». Und für die positive Beeinflussung unseres individuellen Schicksals sind hellseherische Kartentricks genauso wenig dienlich wie astrologische Rechenkünste über willkürlich zu Sternbildern verwobene, viele Lichtjahre entfernte Sterne, die angeblich heute – nur durch ihre Position! – unser Sein und Handeln beeinflussen. Astrologie gilt als widerlegt – oder zumindest als in keiner Weise bewiesen.

Die Organisationen hinter der Petition wollten und wollen sich noch immer dafür verwenden, wissenschaftliches und ethisches Verhalten zu fördern. Ob nun die privaten Medien pseudowissenschaftlichen Unsinn verbreiten und wie dieser finanziert wird, müssen deren VerlegerInnen und – längerfristig – die KonsumentInnen selbst entscheiden. Bei einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt gelten andere Massstäbe, die im Falle des SRF auch im Informationsauftrag verankert sind. Und das ist es, worauf wir mit der Petition hinauswollten. Ein Sendegefäss, das faktisch als Werbefenster fürs pseudowissenschaftliche Kerngeschäft einer Einzelperson dient, darf nicht durch Gebühren finanziert werden.

Spätestens jetzt dürfte auch die Frage aufkommen, ob ein religiöses «Wort zum Sonntag» oder eine «Sternstunde Religion» im Schweizer Fernsehen noch Platz hat. Beide dienen nicht als Werbefenster für gewinnorientierte Organisationen. Insofern sind diese Gefässe nicht von der Petition betroffen oder damit quasi «mit-gemeint» . Ausserdem gab es diesen Frühling zwei Sendungen «Sternstunde Religion», in welchen auch religionskritische Stimmen zu Wort kamen.

Aus meiner persönlichen Sicht – da bin ich ehrlich – könnte zumindest das «Wort zum Sonntag» ein paar Veränderungen vertragen. Ungefähr die Hälfte aller EinwohnerInnen empfinden sich als gar nicht religiös oder als ihren Kirchen nicht besonders nahe stehend. Es stünde dem SRF gut zu Gesicht, ungefähr jede zweite Ausgabe jener Sendung mit nicht-religiösen SprecherInnen zu besetzen, die neue Impulse geben und das Denken in andere, vielleicht überraschende Richtungen lenken. Das können Leute aus dem humanistischen, wissenschaftlichen Umfeld sein, aber auch KünstlerInnen, wie AutorInnen, CabarettistInnen, FilmemacherInnen und so weiter.

Frauen und Esoterik

Warum finden so viele Frauen Gefallen an Astrologie und anderen esoterischen Inhalten? Diese Frage stelle ich mir schon sehr, sehr lange. Bei der Übergabe der Petition «Keine Gebührengelder für Scharlataneriepropaganda« war auch Marko Kovic dabei, der den Anlass für die Schweizer SkeptikerInnen dokumentierte. Er füllt und pflegt den Podcast des Schweizer Skeptikervereins. In dieser Funktion hat er uns reihum mehrmals sein Diktiergerät unter die Nase gehalten. Ich kam nicht darum herum, auch etwas zu sagen. Er konfrontierte die mitanwesende Freidenkerkollegin Franziska und mich mit der Aussage, dass viele Frauen die Petition ablehnten, weil sie diese als frauenfeindlich einstuften. Diese Formulierung war für uns Freidenkerinnen eine ziemliche Überraschung.

Die Frage, ob das angestrebte Astrologie-Moratorium in öffentlich-rechtlichen Medien frauenfeindlich sei, steht für mich klar hinter einer anderen Frage zurück: Warum suchen meine Mitfrauen denn astrologische und andere esoterische Inhalte? Sind alle «blöd», die das suchen? Sind Frauen «blöder» als Männer, weil sie eher auf diese Inhalte ansprechen? Würde jemand diese Frage seriös erforschen, wäre ich eine interessierte Leserin der Resultate. Vielleicht hat das schon jemand getan. Im Moment der Petitionsübergabe konnte ich auf keine Studien zurückgreifen, musste einfach mutmassen und meine eigene These anbieten.

Ich vermute, es ist die vielen Frauen bzw. Mädchen anerzogene Haltung, dass ihr persönliches Wohlergehen von Fremdfaktoren abhängt. Von Faktoren, die sie nicht selbst beeinflussen können. Schon meiner Mutter wurde seitens ihrer Eltern (leider mit Erfolg, sie hätte Talent gehabt) nahegelegt, auf ein Studium zu verzichten, «weil sie ja sowieso heiraten» werde. Sie solle sich darauf verlassen, dass der Traumprinz (Ehemann) sie schon glücklich machen könne.

Vieles hat sich seither bei den Rahmenbedingungen geändert. Frauen, die sich in Ausbildung und Beruf reinknien, werden nicht mehr nur als abartige Emanzen taxiert. Dennoch hält sich das alte Bild in vielen von ihnen hartnäckig – und das ausgerechnet in den Erwartungen und Wünschen einiger Frauen selbst. Während eine gute Ausbildung für Männer als zukünftige Ernährer heutzutage immer noch quasi Pflicht ist, um auf einen grünen Zweig zu kommen, gilt dasselbe für Frauen auch hierzulande immer noch so ein wenig als Luxus. Ich könnte mir vorstellen, dass es immer noch viele Frauen gibt, die unwissentlich in einer Art archaischen Prinzessinnen-Denkens verhaftet sind. Betreffe es die soziale Sicherheit, den Wohlstand oder das private Glück – jemand soll bitte dafür sorgen, dass diese Hoffnungen erfüllt oder deren Erfüllung ermöglicht werden. Das wird der Traumprinz sein, der auf der Bildfläche erscheint, um diesen Ansprüchen zu genügen. Die Alternative – nämlich ohne liebenden Partner, ohne soziales Netz und ohne Familie zu sein – ist eine schreckliche Vision. Frauen, die das persönliche oder finanzielle Glück nicht finden, hoffen nach wie vor auf den Kosmos, auf Gott, auf unsichtbare Wesen, auf das Schicksal.

WahrsagerInnen und AstrologInnen erhalten darum die wiederkehrende und bestimmt lukrative Aufgabe, diesen Frauen immer und immer wieder zu bestätigen, dass dieser Traumprinz schon bald vor der Türe steht. Hier darf der Begriff des «Traumprinzen» durchaus als Metapher herhalten. Es muss sich nicht einmal um eine Person handeln, die mit viel Geld und Liebe eine Frau ins soziale Wohlgefallen katapultiert. Aber ich meine bei den Anhängerinnen der Astrologie diese passive Prinzessinnen-Haltung auszumachen: Die Idee, dass etwas von aussen kommt und im eigenen Leben Wunder bewirkt. Und die Aussicht darauf, dass es ohne eigenes Zutun eintritt.

Jetzt müsste ich mich hier darüber auslassen, dass frau ihr Leben selbst in die Hand nehmen solle, dass frau auf niemanden sonst vertrauen kann, als auf sich selbst, dass frau trotzdem positiv denken solle. Und so weiter. Aber das sind Trivialrezepte, auf die hoffentlich jede früher oder später selbst kommt.

Glücklichsein ist ein Zustand. Ihn zu erreichen bedarf es keiner kosmischen Energie, sondern oft genug eigener Arbeit. Glück zu haben ist Zufall. Und von dem sind Frauen wie Männer gleichermassen abhängig.

PS: Den Medienspiegel zur Petition findet Ihr hier.

Bitte gar nicht lesen

Wie in der «Über mich»-Seite schon erwähnt, ist das kein richtiger Blog. Hier landen nur Inhalte, die ich auf meinen anderen Kanälen nicht unterbringen kann oder will. Hier «liefere» ich nicht, sondern werde höchstens dann und wann mal was los.

Oder ich poste was, sich anderswo schlecht darstellen lässt. Oder etwas, das länger sichtbar bleiben sollte als ein Google+Post oder Tweet. Das alles ist sowieso noch in der Alpha-Phase.