Archiv des Autors: Gabriela Salvisberg

Wenn gute Leute schlechte Texte schreiben

Einer, der nor­ma­ler­wei­se alle Lat­ten am Zaun zu haben scheint, dem kri­ti­sches Den­ken erfah­rungs­ge­mäss bekannt ist — wie kann so jeman­dem ein so rich­tig schlech­ter Text ent­fah­ren?

Wie es pas­sie­ren konn­te, weiss ich auch nicht. Aber es ist pas­siert. Peter Schnei­der, Psy­cho­ana­ly­ti­ker, Tagi-Rat­ge­ber und öffent­lich-recht­li­cher Sati­ri­ker hat auf eine Leser­fra­ge zum The­ma “Brau­chen wir Reli­gio­nen?” so gro­ben Unsinn geant­wor­tet, dass sich (nebst mei­ner selbst) zumin­dest in mei­ner Fil­ter­bla­se so eini­ge gefragt haben, ob das sein Ernst sei. So fand ein Bekann­ter in einem Tweet: “Der Mann ist Sati­ri­ker” — wohl um zu impli­zie­ren, dass die Ant­wort so ernst nicht gemeint sein kön­ne. Ein ande­rer stell­te den Geis­tes­zu­stand des Autors in Fra­ge, was sehr unhöf­lich und belei­di­gend daher­kam. Jene Mit­frei­den­ke­rIn­nen, auf deren Mei­nung ich etwas gebe, haben ähn­lich reagiert wie ich: Was soll das? Wie kann Peter Schnei­der so ver­sa­gen? Wie­so macht er die glei­chen Feh­ler und Fehl­schlüs­se wie die gan­zen Stamm­tisch­phi­lo­so­phen? Was soll die­ser krampf­haf­te Ver­such des Reli­gi­ons-Apo­lo­ge­tis­mus?

Der Text des Anstos­ses befin­det sich hier:
http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/brauchen-wir-religionen/story/21110636

Mir ging es ver­mut­lich wie eini­gen ande­ren Reli­gi­ons­frei­en. Ich habe mich sehr geär­gert und konn­te direkt die Fin­ger auf meh­re­re Stel­len legen, die guten Grund für das Ärger­nis lie­fern. Nur fehl­te mir da die Zeit für eine Replik, die über ein get­wit­ter­tes “WTF!” hin­aus­ging. Zum Glück hat das ein Kol­le­ge über­nom­men. Clau­de Fan­k­hau­ser von den Ber­ner Frei­den­kern und Mit­glied des Frei­den­ker-Zen­tral­vor­stan­des hat in die Tas­ten gehau­en — und zwar gut:

http://www.frei-denken.ch/de/2017/07/kommentar-%c2%abdas-konnen-sie-besser-herr-schneider%c2%bb/

Unsinn, beson­ders jener, der von pro­mi­nen­ten Jour­nis und “Influ­en­cern” kommt, soll­te man nicht unge­kon­tert las­sen.

Warum Verschwörungstheorien schädlich sind

Impf­geg­ner fin­den, die Masern/­Mump­s/Rö­teln-Imp­fung ver­ur­sa­che mas­si­ve Impf­schä­den. Und Imp­fun­gen nütz­ten eh nichts. All dies trotz der wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten: Die Kin­der­krank­hei­ten kön­nen bei emp­find­li­che­ren Per­so­nen fata­le Fol­gen haben. Die Imp­fun­gen füh­ren weit­aus sel­te­ner zur irgend­wel­chen Kom­pli­ka­tio­nen. Es ist gut, wenn die­se Krank­hei­ten ver­schwin­den. Aber die Impf­geg­ner sehen lie­ber, dass man­che Per­so­nen an Masern­kom­pli­ka­tio­nen ster­ben oder Behin­de­run­gen davon­tra­gen, als dass sie selbst einen Pieks in den Arm ertra­gen müs­sen. Chem­trails-Ver­schwö­rer glau­ben, gehei­me staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen füg­ten den weis­sen Aus­stös­sen von Flug­zeu­gen gefähr­li­che, gehirn­ma­ni­pu­lie­ren­de Sub­stan­zen bei. Das könn­te man fast mei­nen, denn es gibt immer mehr Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se in Fra­ge zu stel­len mei­nen.

Der Zwei­fel ist die neue Reli­gi­on. Man setzt sich über alles hin­weg, was man in der (nor­ma­ler­wei­se hier­zu­lan­de wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Schu­le) gelernt hat. Man sucht die Inspi­ra­ti­on und das Anders­sein in einer Art “In-Group” bei jenen, die vor­ge­ben, mehr zu wis­sen als Ande­re. Wer woll­te das nicht? Jeder will spe­zi­ell sein. Jeder will sich noch woh­ler füh­len in einer Welt, in der er mehr weiss (oder zu wis­sen glaubt) als alle ande­ren. Doch wenn der Zwei­fel an den wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten zu einer Art Reli­gi­on wird, dann hat das Fol­gen für die Gesell­schaft. Näm­lich dann, wenn eine kri­ti­sche Mas­se an Fak­ten­ver­leug­nern erreicht ist. Zum The­ma Ver­schwö­rungs­theo­ri­en hier auch ein guter Bei­trag von Hugo Stamm: “Men­schen, die glau­ben, die Erde sei eine Schei­be – es gibt sie wirk­lich!”. Er spricht hier nicht nur von Flat-Eart­hers.

Vie­le Leu­te — auch in mei­nen Frei­den­ker-Krei­sen — lachen über sol­che Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Natür­lich sind die Theo­ri­en lach­haft! Das fin­de ich auch. Aber die Anhän­ger und Ver­brei­ter der Theo­ri­en machen mir zuneh­mend Angst.

Stei­ne im Getrie­be: Das Aus­brei­ten sol­cher Ver­schwö­rungs­theo­ri­en fin­de ich sehr alar­mie­rend, denn die­se kru­den Geschich­ten sind auf Dau­er nicht lus­tig, son­dern sind Sand (oder eher Fels­bro­cken) im Getrie­be der Ent­wick­lung. Chem­trai­l­an­hän­ger, Impf­ver­schwö­rung, Kli­ma­er­wär­mungs­leug­ner oder Flat-Eart­hers: Sie alle scha­den der Gesell­schaft mas­siv, indem sie immer mehr in ihren Bann zie­hen. Die Mensch­heit steht im Moment vor ein paar grös­se­ren Her­aus­for­de­run­gen. Dazu gehö­ren die Ungleich­ver­tei­lung von Nah­rung, Was­ser und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung, aber auch der Kli­ma­wan­del mit­samt der län­ger­fris­tig uner­läss­li­chen Abkehr von schäd­li­chen oder unzu­rei­chend ver­füg­ba­ren Ener­gie­quel­len (Uran, Erd­öl). Wei­ter geht es mit dem Umbruch im Arbeits- bzw. Lebens­um­feld, bei dem immer mehr Jobs durch Robo­tik und künst­li­che Intel­li­genz weg­zu­fal­len dro­hen. Ich bin über­zeugt davon, dass die Mensch­heit im Grun­de über das Wis­sen ver­fügt, für die­se Auf­ga­ben prak­ti­ka­ble Lösun­gen zu fin­den. Aber die­se sind nur zu errei­chen, wenn mög­lichst alle irgend­wie mit­zie­hen.

Wie will man aber gemein­sam über Lösun­gen dis­ku­tie­ren, wenn ein beson­ders laut schrei­en­der Teil der Bevöl­ke­rung sogar ein­fach nach­voll­zieh­ba­re, wis­sen­schaft­lich x-fach bewie­se­ne Fak­ten in Fra­ge stellt? Die Flat-Eart­hers sind ein Sym­ptom für ein rie­si­ges Pro­blem, das der Lösung ande­rer (ech­ter, noch grös­se­rer) Pro­ble­me im Weg steht.

Die Erfin­der und Ver­brei­ter von Ver­schwö­rungs­theo­ri­en regen die Men­schen mit per­fi­den psy­cho­lo­gi­schen Tricks dazu an, ihre Intel­li­genz (z.B. logi­sches Den­ken) nicht mehr zu benut­zen. Dar­in fin­de ich nicht viel Lus­ti­ges. Es geht auch wahn­sin­nig viel Ener­gie (und sei es bloss so etwas wie Akti­vis­mus­po­ten­zi­al) ver­lo­ren, wenn man Men­schen für kon­tra­pro­duk­ti­ve oder gar destruk­ti­ve Ange­le­gen­hei­ten mobi­li­siert.

Unsere atheistischen Gefühle werden verletzt

Atheist

Athe­ist

Man könn­te anneh­men, der müh­sams­te Dis­kus­si­ons­part­ner eines Athe­is­ten sei sein klas­si­scher Gegen­part, näm­lich der oder die Reli­giö­se. Mit sol­chen umzu­ge­hen ist aber für Men­schen, die nicht an einen Schöp­fer glau­ben, eher ein­fach, da die Posi­tio­nen klar sind: Wer glaubt, will unbe­dingt glau­ben, dar­um ist es auch nicht sinn­voll, ihm oder ihr das aus­re­den zu wol­len. Du könn­test an eine Wand reden. Du kannst 10’000 wis­sen­schaft­li­che Fak­ten nen­nen. Du kannst ver­geb­lich dar­auf war­ten, dass der Reli­giö­se sei­nen Stand­punkt schlüs­sig und rea­li­täts­nah unter­mau­ert: Auch wenn er fak­tisch ver­liert, wirst Du ihm sei­nen Gott nicht abspens­tig machen kön­nen. Jeden­falls nicht, wenn er oder sie selbst nicht bereits Zwei­fel an den gan­zen Geschich­ten hegt. Das weiss ich, und das wis­sen auch die meis­ten ande­ren Athe­is­ten, Agnos­ti­ker und Frei­den­ker-Kol­le­gIn­nen.

Der ein­fa­che Grund: Wir wol­len nie­man­dem sei­ne Reli­gi­on weg­neh­men.

Das unter­stellt man uns Athe­is­ten immer wie­der, obwohl die Gläu­bi­gen genau das zur Dok­trin erho­ben haben: Ange­sichts der Tat­sa­che, dass es welt­weit vie­le tau­send Reli­gio­nen mit zehn­tau­sen­den von Göt­tern gab oder gibt, ist jeder Mensch ein Ungläu­bi­ger. Zum Bei­spiel der Christ, Jude oder Mus­lim glaubt nur an einen Gott mehr als der eigent­li­che Athe­ist. Er glaubt nicht an Thor, an Zeus oder an Vish­nu.

Es gibt aber eine Grup­pe von Nicht­gläu­bi­gen, die anstren­gen­der sind als jeder Reli­gi­ons­fun­di. Sei es an Ver­an­stal­tun­gen, sei es auf Face­book; als Mit­glied des Zür­cher Frei­den­ker-Vor­stan­des begeg­ne ich ihnen immer wie­der: den Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten. Selbst glau­ben sie an kein höhe­res Wesen, wer­den aber nicht müde, die Reli­gio­nen und die Taten und Aus­sa­gen der Reli­giö­sen zu ver­tei­di­gen und zu ent­schul­di­gen. Die Dis­kus­sio­nen mit den eigent­lich nicht­gläu­bi­gen Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten lau­fen immer wie­der ähn­lich ab. Ein Bei­spiel:

Man pos­tet selbst ein reli­gi­ons­be­zo­ge­nes Zitat eines bekann­ten Phi­lo­so­phen oder Wis­sen­schaft­lers, etwa die­ses von Chris­to­pher Hit­chens:

«Reli­gi­on ends and phi­lo­so­phy begins,
just as alche­my ends and che­mi­stry begins
and astro­lo­gy ends, and astro­no­my begins»
.

Dann tritt der Reli­gi­ons­a­po­lo­get auf den Plan: «Lei­der hat Hit­chens Unrecht. Man kann che­mi­sche Gesetz­mäs­sig­kei­ten bewei­sen oder wider­le­gen, aber mit dem Gott-Zeug ist das schwie­ri­ger».

Ich mache den klas­si­schen Tee­kan­nen-Kon­ter: «Die Beweis­last liegt bei jenen, die behaup­ten, dass es die­ses Gott-Wesen gibt. Das mit dem Wider­le­gen ist hin­ge­gen so eine Sache: https://de.wikipedia.org/wiki/Russells_Teekanne».

Und der Apo­lo­get: «Das ist der Irr­tum. Der Gläu­bi­ge braucht kei­nen Got­tes­be­weis, es ist Hit­chens der ihn braucht. Es ist ergo rei­ne Zeit­ver­schwen­dung sich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen wann end­lich die Reli­giö­sen ihren Feh­ler ein­se­hen».

Dass es oft genug Zeit­ver­schwen­dung ist und der Gläu­bi­ge ohne Bewei­se aus­kommt, mag sogar stim­men. Aber dar­um ging es nicht, dar­um füge ich noch hin­zu: «Wenn er von der Gesell­schaft Din­ge for­dert (z.B. Steu­ern für sei­ne Kir­chen, Reli­gi­ons­un­ter­richt, spe­zi­el­le ihn schüt­zen­de Geset­ze, Fei­er­tags­ru­he usw.), dann soll­te er die­se For­de­run­gen doch mit etwas mehr unter­füt­tern als mit ‘Glau­ben’.»

Dann lan­det der Apo­lo­get erst­mals beim klas­si­schen Stroh­mann und fin­det: «Wahr­schein­lich genau­so wie Poli­ti­ker nur mit Fak­ten arbei­ten!»

Stroh­mann-Argu­men­te zu zer­pflü­cken ist zeit- und ner­ven­rau­bend und oft genau so sinn­los, wie einem Inu­it einen Kühl­schrank ver­kau­fen zu wol­len. Dar­um ist das etwa der Zeit­punkt, an dem man die Dis­kus­si­on mit­tels einer etwas zyni­schen Bemer­kung in Rich­tung Ende lei­ten möch­te, wie bei­spiels­wei­se: «Ja, gibt ähn­lich ver­strahl­te Poli­ti­ker. ;-)»

Und schon schlägt der Apo­lo­get zu, züch­tet eine Armee von Stroh­män­nern und lan­ciert gleich mal den Vor­wurf der Arro­ganz, gepaart mit einer «Godwin’s Law»-Erfüllung als Pfeil­spit­ze: «Die Ansicht dass man selbst rich­tig liegt soll­te einen nicht dazu ver­an­las­sen ande­re in die Ecke der Idio­ten zu schie­ben. Hit­chens und der­glei­chen haben das immer mal wie­der getan. Euge­nik kam auch mal im Man­tel der Wis­sen­schaft­lich­keit daher, und wir alle wis­sen wie noch leben­de Freun­de von Hit­chens dar­über den­ken.»

Das ist der WTF-Moment («What the fuck!»), der Zeit­punkt, an dem man kopf­schüt­telnd über der Tas­ta­tur hängt, weil der Unsinn sich da gera­de vor einem auf­türmt. Soll­te man da eben­so mit Stroh zurück­schla­gen? Ich wäre in sol­chen Fäl­len ver­sucht zu ent­geg­nen: «Ange­nom­men, die Reli­gi­on XY erhält poli­ti­sche Mehr­heit und for­dert, dass jeder — auch jeder Ungläu­bi­ge — sei­nem Kind wich­ti­ge, emp­find­li­che Tei­le des Penis oder der Kli­to­ris absä­belt. Machst Du das?». Aber ich gebe aus Zeit­man­gel auf.

Wir sind inzwi­schen bes­ser in der Lage, zu unter­schei­den, was Wis­sen­schaft ist und was sich nur den Anschein von Wis­sen­schaft gibt. Wis­sen­schaft ist die Metho­de, nicht die Mei­nung.

Die Schöp­fungs­ge­schich­te der Reli­giö­sen ist nichts ande­res als eine The­se. Eine The­se ist nur ein Gedan­ke, eine Idee, eine Behaup­tung. In der wis­sen­schaft­li­chen For­schung wer­den aber aus The­sen (Ide­en) nur im guten Fal­le Theo­ri­en. Eine Theo­rie lässt sich mit Expe­ri­men­ten, Berech­nun­gen und Bewei­sen bestä­ti­gen. Ande­re Wis­sen­schaft­ler sind immer auf­ge­for­dert, jede Theo­rie nach bes­ten Kräf­ten zu schwä­chen, wenn es denn Schwach­punk­te gibt. Das ist Wis­sen­schaft. Die Anzahl Bewei­se, die für die Evo­lu­ti­ons­theo­rie spre­chen, sind erdrü­ckend. Die Anzahl Bewei­se für eine Art gött­li­che Schöp­fung sind immer noch bei: genau Null.

Das Argu­ment betreffs «Euge­nik» ist unge­fähr gleich­zu­set­zen mit dem Unsinn, Hit­ler sei Athe­ist gewe­sen. Ers­tens war er das nicht, zwei­tens wäre es nicht rele­vant, wenn er einer gewe­sen wäre. Kein Athe­ist behaup­tet ernst­haft, jeder ande­re Athe­ist sei allei­ne durch sei­ne Reli­gi­ons­fer­ne auto­ma­tisch ein «guter Mensch». Und das wis­sen­schaft­li­che Män­tel­chen zie­hen sich auch mas­sen­haft ande­re Sub­jek­te an. Erwie­se­ner Unsinn wie Homöo­pa­thie kommt in einem sol­chen daher. Sogar die Chem­trails-Ver­schwö­rer und sons­ti­ge Aluhut­trä­ger tun so, als stün­den sie auf einem ernst zu neh­men­den wis­sen­schaft­li­chen Boden. Hier­für zie­hen sie aber kei­ne ech­ten wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en bei, son­dern begnü­gen sich damit, mit irgend­wie kom­pli­zier­ten Begrif­fen um sich zu wer­fen.

Wäre die Dis­kus­si­on wei­ter gegan­gen, hät­te mir der selbst nicht-reli­giö­se Reli­gi­ons­a­po­lo­get am Ende noch vor­ge­wor­fen, ich ver­letz­te reli­giö­se Gefüh­le.

Wisst Ihr, was? Ich habe eine gute Vor­stel­lung davon, wie sich das anfühlt. Das Gefühl muss Deckungs­gleich mit jenem sein, das ich ange­sichts reli­giö­sen oder eso­te­ri­schen Unsinns emp­fin­de.

Religiöse Gefühle

Hat schon jemals einer die­ser Reli­gi­ons­a­po­lo­ge­ten ver­sucht, sich in einen Athe­is­ten hin­ein­zu­ver­set­zen? Dann ver­su­che ich das ein­mal mit recht deut­li­chen Wor­ten, viel­leicht etwas über­spitzt, zu erklä­ren. Vie­le von uns Athe­is­ten haben ent­we­der von Anfang an oder mit der Zeit eines erkannt: Die Behaup­tung der Exis­tenz eines Gott­we­sens — oder gleich meh­re­rer davon — ist die gröss­te, infams­te und fol­gen­schwers­te Lüge der gesam­ten Mensch­heits­ge­schich­te.

Da lie­gen sie, die Wor­te: infa­me Lüge, fol­gen­schwer.

«Lüge»: Der Apo­lo­get wür­de ein­wen­den: Wäre «Irr­tum» nicht etwas höf­li­cher? Klar, aber es wäre ein zyni­scher Euphe­mis­mus. Als die Men­schen noch rät­sel­ten, woher die Gewit­ter und Blit­ze kom­men, war­um sich manch­mal die Son­ne ver­dun­kelt oder was pas­siert, wenn man über den Rand der Erd­schei­be fällt, durf­te man getrost von einem Irr­tum spre­chen, wenn sie den Gezei­ten, dem Wet­ter und Krank­hei­ten einen gött­li­chen Ursprung andich­te­ten. In den nach­fol­gen­den Jahr­hun­der­ten haben Wis­sen­schaft­ler nach und nach unzäh­li­ge Rät­sel gelöst und Phä­no­me­ne ent­mys­ti­fi­ziert. Zu mei­ner und mei­ner Mitat­he­is­ten völ­li­gen Nicht­über­ra­schung stets ohne Indiz eines Gott­we­sens. Ich kann his­to­risch nicht fest­ma­chen, wann genau man aus wis­sen­schaft­li­chen Grün­den die­sen Irr­tum hät­te zur Lüge erklä­ren müs­sen. Aber es geschah sicher nicht im 21. Jahr­hun­dert — und wohl auch nicht erst im 19. oder 20. Man könn­te das 18. Jahr­hun­dert, die Blü­te der Auf­klä­rung, als die Pha­se betrach­ten, in wel­cher ratio­na­le Gemü­ter sich aus Ver­nunfts­grün­den von der Idee eines Gott­we­sens ver­ab­schie­de­ten. Nach allem, was die Wis­sen­schaft her­aus­ge­fun­den hat, ist Gott heu­te eine Lüge; und nach so lan­ger Zeit, in der wir uns die­ser Fra­ge stel­len, nicht mehr bloss ein Irr­tum. Und es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zur Wis­sen­schaft — aus­ser noch mehr Wis­sen­schaft. Nur sie ist die Metho­de, etwas nach­zu­wei­sen. Ist das eine nach­ge­wie­sen, wird mut­mass­lich etwas ande­res ent­kräf­tet.

«Fol­gen­schwer»: Seit Tau­sen­den von Jah­ren haben Mil­li­ar­den von Men­schen den anfäng­li­chen Irr­tum und die spä­te­re Lüge geglaubt, unkri­tisch wei­ter­erzählt und im Namen ihres ihnen (auf­grund von Geburt zufäl­lig erwor­be­nen) Gott­we­sens und sei­ner Ver­tre­ter gemor­det oder sinn­los gelit­ten. Es wur­den rea­le Men­schen im Namen des Irrea­len sys­te­ma­tisch unter­drückt, mit dem zyni­schen Ver­weis aufs Jen­seits, in dem es ihnen dann bes­ser gehe. Es wer­den noch immer Kin­der gequält (Buben und Mäd­chen beschnit­ten), Tie­re bru­tal geschäch­tet oder geop­fert, Anders­den­ken­de und -füh­len­de gna­den­los aus­ge­grenzt (z.B. Homo­se­xu­el­le). Mil­lio­nen Men­schen wur­den auch ver­folgt, ver­trie­ben oder bru­tal gequält und ermor­det — nicht nur weil sie selbst einer bestimm­ten Reli­gi­on ange­hör­ten, oder ihr nicht ange­hör­ten, son­dern schlicht, weil sie von jeman­dem abstamm­ten, der sich zu einer bestimm­ten Reli­gi­on zähl­te.

Es gibt nichts Ver­gleich­ba­res, das unter der Mensch­heit so viel Elend ver­ur­sach­te — und nach heu­ti­gem Wis­sen in ver­gleich­ba­rem Aus­mass erstun­ken und erlo­gen ist. Dass eine so hart­nä­ckig ver­brei­te­te und (teils wört­lich) bis aufs Blut ver­tei­dig­te Lüge auch infam ist, erschliesst sich hier von selbst. Das sind Din­ge, die einen Athe­is­ten und Huma­nis­ten wütend und trau­rig machen.

So vie­les von die­sem Leid wäre ver­hin­dert wor­den, hät­te es viel frü­her viel mehr Men­schen gege­ben, die sich einen Dreck um Reli­gi­on scher­ten.

Der ulti­ma­ti­ve What-the-Fuck-Effekt

All dies führt in einem Athe­is­ten immer wie­der zu einem Gefühl des gröss­ten Face­palms aller Zei­ten, zum ulti­ma­ti­ven What-the-fuck. So unge­fähr fühlt sich die unvor­stell­ba­re Grös­se die­ses Unfugs an, der sich einem Athe­is­ten offen­bart, wenn ihn Jeho­vas Zeu­gen anquat­schen, wenn Frei­kirch­ler mit ihren Pro­spek­ten wedeln, Sala­fis­ten gross­zü­gig ihre der­be Schrift ver­tei­len oder Sci­en­to­lo­gen ihre Sek­te bewer­ben.

Die Apo­lo­ge­ten, die uns Athe­is­ten immer Arro­ganz unter­stel­len, könn­ten fal­scher nicht lie­gen.

Ange­sichts des unfass­ba­ren Aus­mas­ses an Absur­di­tät, das einem Athe­is­ten immer wie­der ent­ge­gen­knallt, soll­ten die Apo­lo­ge­ten auch ein­mal an die Gefüh­le der Gott­lo­sen den­ken.

Arro­ganz käme aus einem Gefühl der Über­le­gen­heit. Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht dürf­te die­se sogar gege­ben sein. Aber ange­sichts der wider­sin­ni­gen The­sen sei­tens der Reli­gio­nen und deren unglaub­lich dich­tem poli­ti­schem Filz füh­len sich vie­le von uns manch­mal bei­na­he macht­los.

Den­noch darf es uns auch der Apo­lo­get nicht ver­übeln, wenn sich ein paar Krü­mel die­ses gigan­ti­schen Absur­di­täts­emp­fin­dens auch gele­gent­lich in unse­re Dis­kus­sio­nen ver­ir­ren.

Kurz: Denn durch die — wie ich dar­ge­legt habe — gröss­te Lüge der Mensch­heits­ge­schich­te wer­den bei uns eben­falls mas­sen­haft Gefüh­le ver­letzt. Viel­leicht nur eines, die­ses aber immer wie­der: das Ver­trau­en in die mensch­li­che Ver­nunft.

Es ist wirk­lich genau so, als ob ein Vis-à-vis stand­haft behaup­ten wür­de, die Erde sei eine Schei­be.

Wir reagie­ren indes auf eine der­ar­ti­ge Belei­di­gung der mensch­li­chen Ver­nunft nicht mit dem Ver­bren­nen von Sym­bo­len oder Ermor­den von Mit­men­schen, son­dern — da sind wir doch rela­tiv cool unter­wegs — mit meist fun­dier­ten Argu­men­ten und gele­gent­li­chen Scher­zen. Man ver­zei­he uns die­se doch bit­te — schon allei­ne des­halb, weil wir das Aus­mass der Absur­di­tät ohne die­se klei­nen psy­cho­hy­gie­ni­schen Spit­zen nicht ertra­gen wür­den.

David Silverman: «Fighting God»

Gera­de habe ich Fly­er bestellt für die nächs­te Ver­an­stal­tung der Frei­den­ker. David Sil­ver­man ist Prä­si­dent der Ame­ri­can Athe­ists und wird am Sams­tag, dem 7. Novem­ber 2015 in Basel und am Sonn­tag, dem 8. Novem­ber in Zürich eine Lesung hal­ten aus sei­nem neu­en Buch «Fighting God». Er pro­pa­giert den so genann­ten «fire­b­rand athe­ism». Er geht mit den Reli­gio­nen und den For­de­run­gen der Reli­gi­ons­ver­tre­ten­den gna­den­los ins Gericht. Er sagt klar: Ich respek­tie­re Men­schen — aber ich muss nicht deren Reli­gi­on respek­tie­ren. Der Zür­cher Anlass fin­det am 8. Novem­ber 2015, 14 Uhr (Tür­öff­nung) im «Zen­trum Karl der Gros­se» statt, Kirch­gas­se 14, 8001 Zürich.

Ach, genau, hier noch der Fly­er, Vor­der- und Rück­sei­te:

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Der Vor­trag und die anschlies­sen­de Dis­kus­si­on sind in Eng­lisch. Aber wir tes­ten hier (auch im Hin­blick aufs nächs­te Denk­fest) eine coo­le Simu­lan­über­set­zung, die via Smart­pho­ne-App läuft. Wer das nut­zen will, nimmt am bes­ten ein­fach sein Smart­pho­ne und einen pas­sen­den Kopf­hö­rer mit.

Gedanken zum kommenden Menschenrechtstag

Mob300x250Entwurf01-Seite001Am 10. Dezember ist der Menschenrechtstag. Dann jährt sich die Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte seitens der Vereinten Nationen.

 

 

 

Jene haben die­se am 10. Dezem­ber 1948 in Paris geneh­migt. Von allen nicht mate­ri­el­len Gütern der Welt sind die Men­schen­rech­te das mit gros­sem Abstand wich­tigs­te. Die Men­schen­rech­te sind der Boden, der eine Demo­kra­tie trägt. Ohne Demo­kra­tie sind kei­ne Men­schen­rech­te wirk­sam. Und ohne aktiv geleb­te Men­schen­rech­te kann auch kei­ne Demo­kra­tie exis­tie­ren.

Die Men­schen­rech­te zu erar­bei­ten und gegen meist adli­ge oder reli­giö­se Macht­ha­ber zu erstrei­ten hat über­all in der Welt nicht nur Mühe, son­dern auch viel Blut gekos­tet. Unzäh­li­ge muti­ge Men­schen — unab­hän­gig von Alter, Geschlecht, Haut­far­be, Reli­gi­on, Geburts­ort oder Ver­mö­gen — haben über hun­der­te von Jah­ren hin­weg dafür ihr Leben geben, dass die klei­nen und gros­sen Gemein­schaf­ten der Welt einen gemein­sa­men Nen­ner fin­den mögen: eine Samm­lung von unab­ding­ba­ren Rech­ten und Grund­sät­zen, die dem Wesen «Mensch» über­haupt erst eine lebens­wür­di­ge Basis bie­ten. Men­schen­rech­te sind ein Erfolgs­mo­dell. Sind sie in einem Land wirk­sam, geht es jenen Bewoh­ne­rIn­nen bes­ser.

Als Athe­is­tin habe ich kein hei­li­ges Buch, für das ich in den Krieg zie­hen wür­de, für das ich töten oder mei­ne Tötung in Kauf neh­men wür­de. Kein ein­zel­ner Pro­phet oder Guru, kei­ne Reli­gi­on, kei­ne poli­ti­sche Par­tei, nicht ein­mal eine Kul­tur­strö­mung ver­mag mich in die­sem Sin­ne so unab­ding­bar für sich ein­zu­neh­men. Aber als Huma­nis­tin emp­fin­de ich Angrif­fe auf die Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on als Angriff gegen die Mensch­heit und Mensch­lich­keit an sich. Habe ich schon erwähnt, dass Men­schen­rech­te und Demo­kra­tie eine untrenn­ba­re Ein­heit bil­den? Das eine gibt es nicht ohne das ande­re.

Wer die Men­schen­rech­te angreift, greift die Gemein­schaft aller Men­schen an. Und damit auch mich. Man darf von mir aus über die klas­si­schen Expo­nen­ten der Athe­is­ten-Sze­ne her­zie­hen, Richard Daw­kins schlecht­re­den, man darf sich auch über Micha­el Schmidt-Salo­mon auf­re­gen, man darf egal wel­chen inter­es­san­ten Men­schen belei­di­gen oder sei­ne Wer­ke schmä­lern, man darf sogar kom­plett ver­blö­de­te poli­ti­sche Initia­ti­ven lan­cie­ren, die mich ohne Ende flu­chen und fremd­schä­men las­sen. Der Pein­lich­keits- und Stimm­volk-Hass­fak­tor bei so etwas däm­li­chem wie der Mas­sen­ein­wan­de­rungs-, Ver­wah­rungs-, Mina­rett- oder Eco­pop-Initia­ti­ve war nicht zu unter­schät­zen. Aber nichts von alle­dem hat mich jemals dazu ver­an­lasst, dar­über nach­zu­den­ken, wofür ich ster­ben oder gar töten wür­de.

Bis jetzt. Men­schen­rech­te als Fun­da­ment von Demo­kra­tie sind par­tei­un­ab­hän­gig. Soll­te es dar­um gehen, die Men­schen­rech­te zu ver­tei­di­gen, müss­te ich wohl Micha­el Schmidt-Salo­mon bei sei­nen Zehn Ange­bo­ten des evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus recht geben. Für die Wah­rung die­ser durch unzäh­li­ge ande­re, teils namen­lo­se Men­schen erkämpf­ten Errun­gen­schaf­ten wür­de ich wohl mei­nen neu­zeit­li­chen Wunsch, weder zu ster­ben noch zu töten vor­über­ge­hend auf­ge­ben.

Inso­fern hat der (der­zeit noch) amtie­ren­de Bun­des­rat Ueli Mau­rer mir (und eigent­lich allen in die­sem Land) den Krieg erklärt. Die Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die Wah­rung der Men­schen­rech­te, die wich­tigs­ten und nütz­lichs­ten ethi­schen Errun­gen­schaf­ten der Mensch­heit über­haupt — wenn die­se auf dem Spiel ste­hen, dann wer­de ich mir sogar als Stadt­zür­che­rin eine Mist­ga­bel zule­gen.

Zumin­dest die­ses Jahr lau­tet das The­ma der Ver­an­stal­tung der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen zum Men­schen­rechts­tag noch so: «Von Koba­ne bis Kai­ro — die Men­schen­rechts­la­ge im Nahen Osten». Die Infos dazu sind hier: http://menschenrechtstag.ch. Ich hof­fe instän­dig, dass ich als Vor­stands­mit­glied der Zür­cher Frei­den­ke­rIn­nen nie­mals eine Ver­an­stal­tung zur «Lage der Men­schen­rech­te in der Schweiz» mit­or­ga­ni­sie­ren muss.

Ach, genau, die «Freidenker-Taliban»

Volksinitiative Trennung Staat und Kirche im Wallis

Säku­la­res Wal­lis Initia­ti­ve

Die Wal­li­ser Frei­den­ke­rIn­nen haben eine muti­ge und erfreu­li­che kan­to­na­le Volks­in­itia­ti­ve zur Tren­nung von Staat und Kir­che im Wal­lis depo­niert. Ab dem 20. Juni 2014 kann gesam­melt wer­den. Hier fin­det man den Initia­tiv­text, die Pres­se­mit­tei­lung, die Argu­men­te und den Unter­schrif­ten­bo­gen.

Unse­re Wal­li­ser Freun­de haben bestimmt damit gerech­net, dass sich etwa eine CVP (Roman­die: PDC) nicht beson­ders erfreut zeigt. Jene wol­le die­se säku­la­re Initia­ti­ve «mit Nach­druck bekämp­fen». Schüt­zen­hil­fe — zumin­dest ver­ba­ler Natur — bekom­men die Par­teichris­ten auch von wei­te­ren rechts­bür­ger­li­chen Krei­sen. Die UDC (die SVP der Roman­die) bezeich­net die Frei­den­ke­rIn­nen näm­lich als «Tali­ban der Lai­zi­tät», die «dem Islam den Weg berei­ten» wol­le. Erst schies­sen, dann fra­gen. Logik ist sekun­där. So unge­wöhn­lich ist die­se Reak­ti­on nicht, wenn jemand am Sta­tus Quo alt­ein­ge­ses­se­ner und bequem ver­filz­ter Insti­tu­tio­nen rüt­telt.

Nur weil etwas schon lan­ge da ist, muss es nicht erhal­tens­wert sein. Die Welt dreht und ent­wi­ckelt sich wei­ter. Das Kon­zept eines allwissenden/allmächtigen Herr­schafts­we­sens ist über­holt. Nicht ein­mal der Gross­teil der Kir­chen-Mit­glie­der hält sich an die Regeln der (hof­fent­lich frei­wil­lig und sorg­fäl­tig) selbst gewähl­ten eige­nen Reli­gi­on. Auch wenn viel­leicht die Reli­gi­on für eini­ge ein wich­ti­ges Ele­ment bleibt, ist die Ver­flech­tung der­sel­ben in den Staat ein schon lan­ge abschaf­fungs­wür­di­ges Relikt.

Will­kom­men in 2014. Ers­tens ist die Bevor­zu­gung der christ­li­chen Kir­chen als so genann­te Staats­kir­chen nur aus einem his­to­ri­schen Zufall ent­stan­den. Es gibt gar nichts, das die­se Bevor­zu­gung gegen­über ande­ren Glau­bens­ge­mein­schaf­ten heu­te noch recht­fer­tigt.

Glau­be ist frei­wil­lig… Glau­bens­frei­heit ist ein ver­fas­sungs­mäs­si­ges Recht. Die Tren­nung von Staat und Kir­che ist in demo­kra­ti­schen Län­dern ein fai­res und erfolg­rei­ches Modell. Nur sie gewährt den Gläu­bi­gen aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten die glei­chen, fai­ren Rech­te, den von ihnen frei­wil­lig gewähl­ten Glau­ben im sel­ben Rah­men aus­zu­üben, der auch Anhän­gern ande­rer Glau­bens­ge­mein­schaf­ten gege­ben ist. Das muss mög­lich sein, ohne inhalt­li­che oder unge­rech­te finan­zi­el­le Pri­vi­le­gi­en für alt­ein­ge­ses­se­ne «Platz­hir­sche».

… und Reli­gi­ons­frei­heit eben­falls. Nur die Ent­flech­tung von Staat und Kir­che gewährt auch der stark wach­sen­den Grup­pe nicht-reli­giö­ser Men­schen die Frei­heit, ihr Leben ohne jede reli­giö­se Beein­flus­sung füh­ren zu kön­nen. Und hier eben­falls: ohne die für AtheistInnen/AgnostikerInnen unlo­gi­schen Inhal­te reli­giö­ser Grup­pie­run­gen mit­fi­nan­zie­ren zu müs­sen.

Demo­kra­tie braucht Ethik, nicht Moral. Ein fai­rer, frei­er, demo­kra­ti­scher Staat basiert auf gemein­sam erar­bei­te­ten ethi­schen, juris­ti­schen und wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen. Nur so kann ein Staat einen guten Boden für die freie Ent­fal­tung Ein­zel­ner legen. Eine Ungleich­be­hand­lung ver­schie­de­ner Reli­gio­nen oder von Nicht-Reli­giö­sen wirkt sich nega­tiv auf den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt aus.

Spe­zi­al­ar­gu­ment für die SVP: Die SVP befürch­tet offen­bar, das Zurück­bin­den eini­ger Kir­chen­pri­vi­le­gi­en füh­re eine Art «Vaku­um» her­bei, das die Mus­li­me sofort aus­fül­len wür­den. Das ist doch über­haupt nicht logisch, wenn man die ein­zel­nen Men­schen und die all­ge­mei­ne Ent­wick­lung der letz­ten Jahr­zehn­te anschaut (es gibt eine Natio­nal­fonds­stu­die dazu). Ganz im Gegen­teil! Die­se Mass­nah­me greift schon jetzt den bereits auf­kei­men­den Gelüs­ten eini­ger mus­li­mi­scher Krei­se vor, die ger­ne eben­falls einen Teil der Kir­chen­steu­er­gel­der und sons­ti­gen Kir­chen­pri­vi­le­gi­en für sich hät­ten.

Eine Gleich­be­hand­lung aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im Sin­ne die­ser Initia­ti­ve ist drin­gend fäl­lig. Anstatt aber nun wei­te­ren Glau­bens­grup­pie­run­gen mehr Rech­te und Res­sour­cen ein­zu­räu­men, ist es nicht nur ein­fa­cher, son­dern sowie­so durch die Zei­chen der Zeit ange­bracht und logisch, bestehen­de wider­sin­ni­ge Pri­vi­le­gi­en end­lich abzu­bau­en.

Frank­reich hat das Lai­zi­täts­prin­zip schon län­ger gesetz­lich ver­an­kert. Die Kan­to­ne Genf und Neu­en­burg eben­falls. Kir­chen und Glau­bens­ge­mein­schaf­ten exis­tie­ren dort wei­ter, solan­ge es Leu­te gibt, die sie brau­chen. Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten kön­nen sich als Ver­ei­ne orga­ni­sie­ren und wer­den sich als sol­che gleich­be­rech­tigt an gel­ten­des Schwei­zer Recht hal­ten müs­sen. Genau wie es ande­re Ver­ei­ne tun, die sogar ohne staat­li­che Unter­stüt­zung und Pri­vi­le­gi­en schon ein Weil­chen exis­tie­ren. Neben­bei: Die Frei­den­ke­rIn­nen gibt es in der heu­ti­gen Form qua­si seit 1908.

 

Nein, ich war das nicht

Ein Spam­mer hat sich mal wie­der an mich erin­nert. Und hat dafür gesorgt, dass ich das mer­ke. Er pflanz­te näm­lich mei­ne Mail­adres­se ins «From» (oder «Enve­lo­pe-from» oder «Reply-to») sei­ner idio­ti­schen Spam-Mails. Resul­tat: Eini­ge Dut­zend Boun­ces und Abwe­sen­heits­mel­dun­gen. Ich hof­fe, es flat­tern nicht auch noch Mails von erbos­ten Usern rein, die das Gefühl haben, der Mist stam­me von mir.

Bounces zu Spam, den ich gar nicht selbst verschickt habe

Boun­ces zu Spam, den ich nicht ver­schickt habe

Jeder kann jede belie­bi­ge Mail­adres­se ins «From» set­zen. Hier­für braucht man nicht ein­mal den zuge­hö­ri­gen Account zu «hacken». Die Adres­se zu ken­nen reicht völ­lig. Und genau das tun Spam­mer: Sie haben eine Lis­te mit vie­len tau­send Adres­sen und picken sich eine davon fürs «From» her­aus. Dies­mal mei­ne — mor­gen viel­leicht Dei­ne.

Mein Hos­ter war jetzt so freund­lich, für mei­ne Domain einen SPF-Ein­trag zu erstel­len. Das erschwert das Abkip­pen von Spam unter miss­bräuch­li­cher Ver­wen­dung mei­ner Absen­der­adres­se.

Bei uns werden die Kinder bluten. Aber freiwillig - und nur fürs Mikroskop. Campquest.ch

CampQuest.ch — die Kin­der wer­den blu­ten! 😉

Camp Quest, das wis­sen­schaft­lich-huma­nis­ti­sche Som­mer­la­ger ist für Kin­der und Jugend­li­che von 9 bis 15 Jah­ren aus­ge­legt. Die­ses Jahr fin­det es erst­mals auch in der Schweiz statt: vom 4. — 10. August 2013 in Mundaun bei Obersaxen/GR. Das Pro­gramm kann sich sehen las­sen und dürf­te auch in den gröss­ten Schul­muf­feln wenigs­tens ein biss­chen Inter­es­se für wis­sen­schaft­li­che The­men wecken. Bit­te bald anmel­den — die Plät­ze sind begrenzt!

Who’s evil now? — Die AdSense-Erpressung

Oder wie Google IT-Verlage zum Öffnen von Pandoras Büchse zwingt.

Auch wenn es uns man­che nicht glau­ben woll­ten, war ein Auf­recht­erhal­ten der Tren­nung zwi­schen Redak­ti­on und Anzei­gen auch bei mei­nem Arbeit­ge­ber IDG Schweiz (Publi­ka­tio­nen PCtipp und Com­pu­ter­world) bis­lang ein eher­nes Gesetz. Es bedeu­te­te: Die Anzei­gen­ab­tei­lung hat­te bei redak­tio­nel­len Inhal­ten nicht drein­zu­re­den. Und das war gut so. Über das Druck­mit­tel der Online­wer­bung ist Goog­le jetzt aber in der Lage, IT-Ver­la­ge wie den uns­ri­gen zum Öff­nen die­ser Büch­se der Pan­do­ra zu zwin­gen.

Böse YouTube-Tools

Nun hat’s also uns erwischt: Goog­le hat am Frei­tag­nach­mit­tag das Aus­lie­fern von AdSen­se-Wer­bung auf der PCtipp-Web­sei­te gestoppt. Unser Ver­lag wur­de auf­ge­for­dert, eini­ge Anwen­dun­gen aus dem PCtipp-Down­load­be­reich zu ent­fer­nen. Wür­den wir dem nicht Fol­ge leis­ten, wer­de unser AdSen­se-Kon­to dau­er­haft deak­ti­viert, sie­he Screen­shot einer sol­chen Mail.

Mail von Google droht mit Deaktivierung von AdSense

So sieht die Mail aus, in der Goog­le die PCtipp-Redak­ti­on zwingt, bestimm­te Down­loads zu ent­fer­nen.

Unter den rund 5000 Down­loads im PCtipp-Down­load­be­reich waren auch eini­ge Tools, mit deren Hil­fe ein Anwen­der You­Tube-Vide­os lokal spei­chern könn­te. Das da sind eini­ge davon: aTu­be Cat­cher, You­Tube Song­down­loa­der, You­Tube Down­loa­der, Free You­Tube to MP3-Con­ver­ter, Fre­e­mi­um Tube­Box, Fre­e­re­cor­der, Free Stu­dio, Clip­Grap und Asham­poo Clip Fin­der.

Was haben wir gemacht? Rich­tig: die Tools von der Web­sei­te genom­men. Ich füh­le mich übri­gens an den Som­mer 2008 erin­nert. Damals ent­fern­ten wir wegen der Geset­zes­än­de­rung in Bezug auf die Umge­hung «tech­ni­scher Schutz­mass­nah­men für die Wahr­neh­mung von Rech­ten» schon ein­mal rund 70 Down­loads von unse­rer Web­sei­te (sie­he PDF). So sehr wir damals auch redak­ti­ons­in­tern mit den Zäh­nen knirsch­ten — wir hat­ten nicht ein­mal theo­re­tisch eine Wahl. Vor fünf Jah­ren muss­ten die Tools zum Rip­pen von DVDs aus gesetz­li­chen Grün­den weg. Das ist noch tole­rier­bar. Nun zwingt uns also auch Goog­le dazu, wei­te­re redak­tio­nel­le Inhal­te zu ent­fer­nen.

Mir (und mei­nen Kol­le­gIn­nen im Ver­lag) ist schon klar, dass die theo­re­ti­sche Wahl wei­ter­hin bestün­de. Schliess­lich ist nie­mand gezwun­gen, bei Goog­le AdSen­se mit­zu­ma­chen. Das macht die­se «Friss oder stirb»-Situation aber nicht bes­ser: Ohne Goog­le ist im Online­an­zei­gen­markt kaum aus­zu­kom­men. Das Unter­neh­men beherrscht in die­sem Busi­ness qua­si 100% des Mark­tes, in wei­ten Tei­len der Welt, sicher aber in der Schweiz und der EU. Goog­le Ads gehö­ren aus ver­schie­de­nen Grün­den sowohl bei Por­ta­len als auch bei Kon­su­men­tIn­nen zu den «belieb­te­ren» Wer­be­for­men. Sie sind nicht so auf­dring­lich gestal­tet, dass sie die Web­sur­fe­rIn­nen wirk­lich stö­ren könn­ten. Weil die Ads (wegen AdSen­se) oft the­ma­tisch zu den sie umge­ben­den Inhal­ten pas­sen, lan­det dar­auf auch ger­ne mal der eine oder ande­re Klick. Dadurch pro­fi­tie­ren auch die bewor­be­nen Unter­neh­men davon. Die Ads las­sen sich ein­fach ver­wal­ten, optisch ans Umfeld anpas­sen und brin­gen ansehn­li­che Wer­be­ein­nah­men, auf die kaum ein Ver­lag ver­zich­ten kann. Auch IDG Schweiz nicht. In den Leser- und Ver­kaufs­zah­len ste­hen wir mit dem Print­pro­dukt PCtipp im Ver­gleich zu ande­ren noch gut da. Aber auch wir spü­ren die fal­len­den Umsät­ze im Print­be­reich. Die Ein­nah­men im Online­be­reich fan­gen dies nur zum Teil auf. Und wie wir alle wis­sen: Paywalls funk­tio­nie­ren bei den Kon­su­men­tIn­nen nicht wirk­lich. Fak­tisch ist also der Ver­zicht auf Goog­le Ads kei­ne Alter­na­ti­ve.

Übri­gens: Moment mal! Kommt das denn wirk­lich nie­man­dem bekannt vor? Ein mil­li­ar­den­schwe­res US-Unter­neh­men beackert auch in der EU einen Markt, in dem es qua­si kei­ne Kon­kur­renz gibt. Somit liegt ein De-Fac­to-Mono­pol vor. Ich will jetzt nicht «Micro­soft» sagen, aber Goog­le wäre nicht das ers­te gros­se IT-Unter­neh­men, das von der EU saf­ti­ge Bus­sen und Auf­la­gen wegen des Miss­brauchs der markt­be­herr­schen­den Stel­lung kas­siert.

«Bewusstsein = Leben» oder «Leben = Bewusstsein»?

An der Dele­gier­ten­ver­samm­lung vom 26.05.2013 der Schwei­zer Frei­den­ke­rIn­nen erfüll­ten die Teil­neh­me­rIn­nen nicht nur ihre Auf­ga­be zur Wahl eines neu­en Prä­si­di­ums (sie­he hier), son­dern konn­ten auch ein Refe­rat des frei­en Phi­lo­so­phen Imre Hof­mann mit anschlies­sen­der Dis­kus­si­ons­run­de ver­fol­gen. Das The­ma dreh­te sich um die phi­lo­so­phi­sche Sicht aufs Human Brain Pro­ject — und um die Fra­ge: «Steckt ein Geist in der Maschi­ne?». Anlass dazu war die kürz­li­che Ver­ga­be gros­ser EU-Geld­be­trä­ge an das Pro­jekt.

Die Idee hin­ter dem Pro­jekt ist ambi­ti­ös: Das gesam­te bis­her vor­han­de­ne Wis­sen übers mensch­li­che Gehirn sam­meln und zusam­men­füh­ren, mit der Absicht, die­ses so weit wie mög­lich in einer IT-basier­ten Simu­la­ti­on abzu­bil­den. Der Zweck könn­te sein, bei man­chen Expe­ri­men­ten oder bei der Erfor­schung von Behand­lungs­mög­lich­kei­ten bei gewis­sen Erkran­kun­gen nicht auf mensch­li­che Ver­suchs­ka­nin­chen ange­wie­sen zu sein. Ein gros­ser Teil des Pro­jekts wird sich der Fra­ge wid­men, wie bereits weni­ge neu­ro­na­le Zel­len über­haupt inter­agie­ren. Aber die Idee, ein mensch­li­ches Gehirn — viel­leicht als gan­zes — simu­lie­ren zu wol­len, wirft ein paar ethi­sche Fra­gen auf.

Imre Hoff­mann leg­te gegen­über dem Publi­kum sei­ne Zwei­fel dar, ob er aus phi­lo­so­phi­scher Sicht über­haupt etwas zum The­ma bei­tra­gen kön­ne. Die am HBP Betei­lig­ten ver­mei­den kon­se­quent Wör­ter wie «Psy­che» oder «Bewusst­sein». Jeder Ver­such, ein Gehirn in einem Com­pu­ter abzu­bil­den, kann nur eine gro­be Skiz­ze sein. Ver­gleich­bar mit einer Land­kar­te, die zwar zei­gen kann, wo sich wel­che Regi­on befin­det, aber kei­ne Aus­kunft dar­über gibt, wie es an die­ser oder jener Stel­le wirk­lich aussieht/riecht/klingt, wie sich gar der Boden beim Drü­ber­lau­fen anfühlt oder wem man dort begeg­net. Jene Punk­te, die den Phi­lo­so­phen wirk­lich inter­es­sie­ren, kom­men in den offi­zi­el­len Doku­men­ten des HBP nach Hof­manns Aus­sa­ge kaum aufs Tapet. Sei es, weil die For­sche­rIn­nen die­se Punk­te viel­leicht schon bei der For­schungs­ar­beit gezielt aus­klam­mern, sei es, weil sie kei­ne Wahr­schein­lich­keit sehen, dass ihr Pro­jekt so weit fort­schrei­ten könn­te oder sei es, weil es sich aus mar­ke­ting­tech­ni­schen Grün­den bes­ser macht, kei­ne Ängs­te zu wecken. Ich tip­pe eher auf die Punk­te 2 und 1. Aber was, wenn doch? Laut Imre Hof­mann steckt kein Geist in der Maschi­ne. Das, was eine Per­son aus­macht, kann auch durch moderns­te Ent­wick­lun­gen in der IT kei­nen Boden — bzw. pas­sen­de Hard­ware — für eine sol­che Annah­me lie­fern.

Was ist das Bewusst­sein?

Extra­po­liert oder ska­liert man die Idee, an einer Hand­voll Zel­len zu for­schen auf die For­schung an einer kom­plet­ten Simu­la­ti­on des Gehirns, stel­len sich für mich per­sön­lich die ethi­schen Fra­gen ein. Wie genau lässt sich ein Gehirn als Simu­la­ti­on abbil­den? Wem nützt die­se Simu­la­ti­on? Und wo ste­hen die Gren­zen? Eine in zahl­rei­chen Sci­ence-Fic­tion-Roma­nen oder -Fil­men bekann­te Abbil­dung eines gesam­ten Gehirns inklu­si­ve Bewusst­sein ist illu­so­risch (nur schon in den ver­schie­de­nen StarT­rek-Seri­en gab es wohl min­des­tens drei sol­che Epi­so­den).

Die HBP-For­sche­rIn­nen wol­len die­ses Sze­na­rio aus­klam­mern. Die Ansamm­lung ein­zel­ner Zel­len — sogar, wenn es vie­le wären — wäre noch weit davon ent­fernt, etwas zu bil­den, das eine Psy­che ent­wi­ckeln könn­te. Aber ohne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en wecken zu wol­len, wür­de es mich inter­es­sie­ren: Was geschieht, wenn die Simu­la­ti­on dem mensch­li­chen Gehirn nahe genug kommt, um trotz­dem eine Art von Bewusst­sein zu ent­wi­ckeln? Wor­an erkennt man Bewusst­sein? Reicht eine Reak­ti­on auf die Umwelt aus, um ein Bewusst­sein nach­zu­wei­sen? Hat ein Nes­sel­tier im Meer ein Bewusst­sein, weil es auf sei­ne Umge­bung reagiert? Oder sind das nur «dum­me» Reak­tio­nen sei­nes Ner­ven­sys­tems? Imre Hof­mann beant­wor­tet die Fra­ge nach dem Bewusst­sein damit, dass jedes Wesen oder Ding selbst für sich ent­schei­den muss, ob es ein Bewusst­sein hat. Das Bewusst­sein des Gegen­übers liegt somit nur in unse­rem Ermes­sens- und Erwar­tungs­spiel­raum. Das mag stim­men, aber es zeigt nicht, wie wir mit ande­ren Wesen/Dingen umge­hen, die mut­mass­lich eines haben. Hat alles, was lebt, eine Art von Bewusst­sein? Oder zäh­len wir etwas, das ein Bewusst­sein hat, auto­ma­tisch zu den Lebe­we­sen?

Schal­tet den Andro­iden aus

Falls eine Simu­la­ti­on etwas wie ein Bewusst­sein ent­wi­ckeln könn­te, dürf­te man sie dann auch nach Gut­dün­ken abschal­ten? Hier stel­le ich ger­ne den Bezug zu einer Star Trek TNG Fol­ge her, in der es dar­um geht, ob der Andro­ide namens «Data» von einem über­eif­ri­gen Wis­sen­schaf­ter aus der Crew genom­men und zu For­schungs­zwe­cken zer­legt wer­den darf. Die Vehe­menz, mit der Data um sei­nen Ver­bleib in der Crew und gegen sei­ne Zer­le­gung kämpft, ist in der Fol­ge auch ein Grund für die Rich­te­rin, ihm ein Bewusst­sein und ein Selbst­be­stim­mungs­recht zu attes­tie­ren.

Aber zurück zur Gegen­wart und nahen Zukunft. Die aktu­el­len Ver­su­che beschrän­ken sich auf ein paar Ner­ven­zel­len. Die Simu­la­ti­on fin­det in vie­len Gross­rech­nern ver­teilt statt. Den Andro­iden «Data» wird es nicht so bald geben, schon weil die Rechen­ka­pa­zi­tät auf die­sem Raum nicht Platz hät­te, zumal der Kör­per auch noch unzäh­li­ge Bewe­gungs­mo­to­ren ent­hal­ten müss­te. Wenn Sony einen klei­nen zwei­bei­ni­gen Robo­ter ent­wi­ckelt, ist es schon eine Höchst­leis­tung, wenn die­ser nicht bei jeder Tür­schwel­le auf die Nase fällt. Und dabei hat er noch nicht intel­li­gent auf sei­ne Umwelt reagiert.

Ein durch Com­pu­ter simu­lier­tes Gehirn ent­spricht nicht dem Gehirn eines ech­ten Lebe­we­sens. Das kann es schon nicht, weil es auf gewis­se Rei­ze nicht adäquat reagie­ren kann. Es hat ja einer­seits den Zweck, mensch­li­ches Ver­hal­ten zu imi­tie­ren, ande­rer­seits soll es qua­si ein Mensch sein.

Neh­men wir das simp­le Bei­spiel: Ein Glas Was­ser kann für einen ech­ten Men­schen das Über­le­ben bedeu­ten. Wür­de man das Gehirn des Men­schen simu­lie­ren, müss­te die Simu­la­ti­on nur vor­ge­ben, ein Glas Was­ser für über­le­bens­wich­tig zu hal­ten. In Wahr­heit ist Was­ser ent­we­der kom­plett irrele­vant oder sogar schäd­lich für den Metal­l/­Plas­tik-Kas­ten, in wel­chem das simu­lier­te Gehirn steckt. Etwas, das ein Bewusst­sein hat, weiss auch um sei­ne eige­ne Situa­ti­on. Und da haben wir es. Behaup­tet das simu­lier­te Gehirn, es brau­che Was­ser, lügt es. Ein Mensch wür­de den Was­ser­be­darf aber nie­mals abstrei­ten. Die Simu­la­ti­on kann also behaup­ten, Was­ser zu brau­chen, was eine Lüge wäre (und sie als nicht mensch­lich taxie­ren wür­de) oder nicht zu brau­chen, womit die Simu­la­ti­on dann nicht mehr men­schen­ähn­lich wäre. Sobald eine Simu­la­ti­on des mensch­li­chen Gehirns ein Bewusst­sein ent­wi­ckelt, ist es kei­ne Simua­ti­on mehr, son­dern etwas Neu­es.